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Der beste Ratschlag für unsere Ehe

14. Januar 2019 von

Vor einigen Wochen wurden mein Mann Chris und ich zu einem Empfang eingeladen, der von den Familien eines jungen Paares veranstaltet wurde, um ihre bevorstehende Hochzeit zu feiern. Das Paar strahlte entsprechend, ihre jeweiligen Eltern genossen den Moment. Es gab Toasts und Hors d'oeuvres, Witze und Lieder.

Später am Abend wurde die Stimmung nachdenklicher, als die Gäste gebeten wurden, der Braut und dem Bräutigam Worte der Weisheit und Ermutigung mit auf den Weg zu geben. Chris und ich hatten keinen gemeinsamen Beitrag vorbereitet - wir hatten vage darüber gesprochen, eine improvisierte Aufführung eines Country-Liebesliedes oder so etwas vorzutragen, waren aber nicht dazu gekommen, uns zu überzeugen, dass es eine gute Idee ist. Aber ich war nicht überrascht, als Chris die Gelegenheit nutzte und einen Brief herauszog, um ihn dem Paar vorzulesen. Ich wusste sofort, dass es das Geschenk war, das wir beide ihnen machen wollten.

Dieser Brief wurde uns von Dale Recinella, einem guten Freund und ehemaligen Kollegen von Plough Publishing, geschrieben, der Chris als jungen Schriftsteller und Redakteur begleitet hatte, und der vor Jahrzehnten eine sehr erfolgreiche juristische Karriere hinter sich gelassen hat, um den Häftlingen in Floridas Todeszellen als Seelsorger zu dienen. Dale konnte nicht zu unserer Hochzeit kommen, deshalb schrieb er uns stattdessen einen Brief.

Dales Brief war unser ungewöhnlichstes Hochzeitsgeschenk, denn er kam nicht einmal in Form einer Karte - er war handschriftlich auf losem, liniertem Papier geschrieben und in einen ganz normalen Umschlag gesteckt. Als wir ihn nach unserer Trauung gemeinsam lasen, spürten wir instinktiv, dass seine Worte etwas waren, auf das wir in den kommenden Jahren zurückgreifen würden. Aber wir merkten nicht - und wie sollten wir, an diesem Neubeginn? - dass wir den besten Ratschlag für unsere Ehe, den wir je erhalten würden, in unseren Händen hielten.

In den zwanzig Jahren, die seitdem vergangen sind, haben Chris und ich aufgehört zu zählen, wie oft wir den Brief von Dale gelesen haben. In Zeiten kleiner Missverständnisse oder großer Frustration, im Chaos von Trauer oder Krankheit, in den schrecklichsten Momenten, wo man „den Ort, an dem das Lernen beginnt“ versteht - immer wieder begegnete uns dieser Brief, half uns und führte uns neu zu der rettenden Kraft, die wir immer wieder in Anspruch nehmen können.

photograph of waves on rocks and a life ringFoto von Autorin

Zu Beginn dieses Jahres - ein Jahr für Neuanfänge, neue Vergebung, neue Lektionen und neue Geschenke - gebe ich euch diesen Brief, damit er für andere den gleichen Segen bringen kann, den er uns gebracht hat. Vielleicht reitest du immer noch auf der Welle des Erfolgs, oder vielleicht treibst du irgendwo im Wasser. Vielleicht steckst du mitten im katastrophalsten, desillusioniertesten und enttäuschendsten Durcheinander, aus dem es keinen Ausweg zu geben scheint. Unabhängig davon: befolge diesen Rat und sieh zu, wie sich alles zum Besseren wendet.

Und Dale, danke, dass du jedes Wort dieses Briefes gelebt hast. Du und Susan, ihr werdet immer einen besonderen Platz in unseren Herzen einnehmen.

 

5. Juli 1998

Mein lieber Chris und meine liebe Norann,

Wir sind mit unseren Gedanken und Herzen bei euch an diesem Tag des Zusammenkommens vor Gott als eine Einheit für das gesamte Leben.

Wir wünschen euch alles Gute - in dem Wissen, dass das Glück meist nur durch Arbeit und Kampf erreicht wird.

Wir wünschen euch also im Wesentlichen viel Arbeit und viel Kampf. Aber lasst es uns sagen, das Paradoxe ist, dass darin der Segen liegt.

Niemand hat jemals etwas Wertvolles auf der Welle des Erfolgs gelernt. Aber früher oder später bricht jede Welle. Alles muss ein Ende finden - das ist garantiert. Die Welle, auf der wir surfen, wird brechen. Und wir schnappen nach Luft, während eine Welle nach der anderen über uns hereinbricht.

Dies ist der Moment, in dem die emporgehobene, in die Luft greifende Hand, die verzweifelt aber ohnmächtig ums Überleben ringt, dies ist der Moment, an dem die leere Hand, die keine andere Wahl hat als den Glauben, die Hand Gottes findet.

Dies ist der Moment, in dem das Lernen beginnt. Es ist erschreckend. Und es ist ein Geschenk.

Einer der vielen Segen einer Ehe, die auf dem Heiligen Geist und Jesus Christus basiert, ist, dass zwei Suchende ihre Hände gemeinsam emporstrecken können, dass wie Aaron, der die Arme von Mose hochhielt, zwei sich gegenseitig unterstützen können, wenn die Kraft des einen nicht ausreicht.

Dies ist der Moment, in dem die emporgehobene, in die Luft greifende Hand, die verzweifelt aber ohnmächtig ums Überleben ringt, die Hand Gottes findet.

Aber auch das birgt eine Gefahr: Wir müssen uns darüber im Klaren sein, dass zwei schwache Menschen kaum mächtiger sind als ein schwacher Mensch. Das Beste, was wir füreinander tun können, ist, die Arme zu Gott emporzustrecken. Nur die Kraft Gottes kann überwinden.

Das ist mein Gebet für euch - dass, egal wie erschöpft ihr seid, wie frustriert, wie entmutigt, wie überdrüssig, wie wütend, wie enttäuscht oder desillusioniert - egal - dass ihr trotzdem immer dem anderen zu Hilfe eilen werdet, um die Arme eures Ehepartners im Gebet hochzuhalten, damit der andere nicht zu erschöpft zum Beten wird, zu erschöpft, um noch einmal nach oben zu greifen und die Hand Gottes zu finden. Und genau wie Mose und Aaron werdet ihr immer sehen, dass Gott seinen Verheißungen treu ist, dass, wenn ihr euch gegenseitig im Gebet festhaltet, zwei wie eins, der geistliche Kampf sich zum Guten wendet.

Alles Liebe, Dale


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Norann Voll

Norann Voll hat im New Yorker Hudson Valley gelebt, bis sie 2002 zum Danthonia-Bruderhof in Australien (New South Wales)...

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