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Warum Fingerspiele wichtig sind

27. Juli 2017 von

Oma Lydia teaching finger games to a group of one-year-olds

Zu klein für Fingerspiele? Niemals! Jedenfalls nicht, wenn „Oma-Lydia-Tag“ ist. Ich brauche mir nur anzuschauen, wie sich die Gesichter gebannt Oma Lydia zuwenden, als sie sich an den Tisch setzt, und ich sehe puren Sonnenschein vor mir. Früher dachte ich immer, Fingerspiele seien nur etwas für Zwei- bis Dreijährige. Erst in diesem Alter haben Kinder die feinmotorischen Fähigkeiten entwickelt, die sie brauchen, um die Bewegungen eines Erwachsenen korrekt zu imitieren, richtig?

Falsch! Ich habe meine Meinung geändert. Als ich jetzt die vier bis sechs Monate alten Kinder in die Stube bringe, kann Samuel (der sich bisher immer schnell gelangweilt hat) gar nicht genug davon bekommen; er hat riesengroße Augen. Dann kommen drei Kleinkinder herein und winken ausgelassen mit den Händen, als Oma Lydia von einem Nest hoch oben im Baum zu singen beginnt.

Oma Lydia teaching finger games

Manche der Fingerspiele (so wie dieses) sind Liedchen, die vom fernen Ufer meiner eigenen Kindheitserinnerungen zu mir herüberplätschern – ach so geht das:

Am Stamm eines Baumes sitzt ein Specht, “tack tack” sagt er, “tack tack” sagt er,
“Hoch oben baue ich mein Nest, tack tack, tack tack” sagt er.

Während Oma Lydia singt, stimme ich ein und singe mit, damit ich die Melodie nicht im Lauf des Vormittags wieder vergesse.

Solche wunderbaren Interaktionen zwischen den Generationen sind durch nichts zu ersetzen; das beobachte ich jede Woche, wenn Oma Lydia unseren Spielkreis besucht. Konzentrationsspanne, Sprache, Befolgen von Anweisungen, Singen und feinmotorische Koordination sind lediglich Nebenwirkungen, nicht das Hauptziel, während diese Kinder eine viel wichtigere Lektion lernen: Freude am Leben ist Freude an anderen.

Oma Lydia demonstrating a motion to one child

Wenn du die Gelegenheit hast, dann frag doch deine Großmutter oder deinen Nachbarn. Erinnerst du dich noch an irgendetwas Bestimmtes, das deine Großmutter oder dein Großvater immer gesungen hat? Jede Kultur und jedes Land haben ihren eigenen Schatz an Kinderreimen.

Sie sind viel zu schade, um in der heutigen Welt voller elektronischer Ablenkungen verloren zu gehen. Lern doch einen auswendig und singe ihn immer wieder. Gib ihn bei deinem nächsten Familientreffen an ein Kind weiter. Der Vorrat an Fingerspielen ist unerschöpflich. Natürlich kannst du auch selbst welche erfinden. Und falls es in deiner Familie keine kleinen Kinder gibt – vielleicht sitzt ja mal ein Kind auf dem Schoß seiner Mutter dir gegenüber im Zug oder im Bus. Brich aus dem Kümmer-dich-um-deinen-eigenen-Kram-und-ignoriere-die-anderen-Modus aus und knüpfe Kontakt zu dem Kind; Du wirst einen neuen Freund oder eine neue Freundin gewinnen.

Hier ist ein Reim, den mein Onkel Peter immer meiner jüngsten Schwester vorgesagt hat (er ist auf Hutterisch, ein deutscher Dialekt, in dem es keine festgelegte Schreibweise gibt):

Oma Lydia smiling as she teaches a new finger game to some one-year-olds

Läuft a Meisel überm Heisel
     (mit den Fingern den Arm des Kindes hinauf und über den Kopf krabbeln)
Drog a Korb Hubbelschatter
Wast nit vo zu rosten
Do, do in den Kosten!

     (unter dem Kinn kitzeln)
Krabbelt eine Maus übers Haus
Zieht einen Korb voll Hobelspäne
Weißt du nicht, wo du dich ausruhen kannst?
Da, da, in dem Kasten!

An manchen Tagen bin ich richtig niedergeschlagen, nachdem ich die Nachrichten aus der Welt gelesen habe, aber als ich jetzt Samuel aus der Stube trage und mich noch einmal über die Schulter umschaue, sehe ich, wie die Einjährigen ihre pummeligen Händchen ausstrecken, um Oma Lydias arthritische Hände zu schütteln. Aus ihren Augen leuchtet Freude. Genau das braucht diese Welt. Wo Freude ist, da ist auch Hoffnung. Kinder haben den Schlüssel dazu, und sie sind begierig darauf, ihn mit uns zu teilen.

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Über den Autor

Veronica Brinkmann and her husband Tobias

Veronica Brinkmann

Veronica Brinkmann hat in Deutschland, England und den USA gelebt. Im Moment wohnt sie mit ihrem Ehemann Tobias auf dem...

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