Familie

Den Blick auf die Ewigkeit gerichtet

11. Februar 2016 von

Am 8. Februar 2016, drei Monate nachdem er mit Krebs diagnostiziert worden war, wurde Johnny Fransham auf dem Darvell Bruderhof in Robertsbridge in England heimgerufen zu Gott. Er war 67 Jahre alt.

2006 war er zum Bischof für die fünf europäischen Standorte des Bruderhofs ernannt worden. Geliebt und geschätzt wurde er nicht nur in den Gemeinschaften, denen er diente, sondern auch von vielen Menschen, denen er begegnete, wenn er in Schulen im Südosten Englands Vorträge hielt.

John Wallace Fransham wurde am 20. März 1948 in Clarkesville, Georgia/USA geboren. Seine Eltern waren damals Mitglieder bei Macedonia, einer interreligiösen Kommunität. Schon vorher war sein Vater auf seiner Suche nach einer gerechten Gesellschaft als Wehrdienstverweigerer interniert worden, bevor er als Sanitätshelfer nach China ging. 1954 zog er mit seiner Familie auf den nördlich von New York City gelegenen Woodcrest Bruderhof.

Johnnys Gabe des Zuhörens und seine Überzeugung, dass das Evangelium in jeder Lebenslage der beste Wegweiser ist, machten ihn zu einem Seelsorger, auf dessen Rat Verlass war. Hunderte von Menschen wandten sich auf ihrer Suche nach Hilfe oder Ermutigung an ihn – von Teenagern und jungen Ehepaaren bis zu alten Menschen und Trauernden.

Johnny und Regi Fransham

Er hatte selbst großes Leid erlebt: Als er fast fünf Jahre alt war, überfuhr sein Vater beim Zurücksetzen eines Lastwagens Johnnys jüngeren Bruder Nicholas. Er verletzte ihn tödlich – ein Unfall, der die Familie hätte auseinanderreißen können. Doch sie hielt nicht nur stand, sondern ging durch die unerschütterliche Überzeugung der Eltern, dass Vergebung der einzige Weg zur Heilung sei, innerlich gestärkt aus diesem Ereignis hervor.

Diese Erfahrung war prägend für Johnny, und als er 2008 im Rahmen von Breaking the Cycle, einem Programm zur Gewaltprävention, anfing, zu jungen Menschen über Vergebung zu sprechen, ließ er stets diese Geschichte in seine Botschaft einfließen. In Zusammenarbeit mit Lehrern, Polizisten und anderen inspirierte er Tausende von Schülern.

Als überzeugter Fürsprecher für die Familie sprach er oft zu Themen wie christliche Ehe und Elternschaft. Zusammen mit seiner Frau Anna Regula („Regi“), mit der er 40 Jahre verheiratet war, trat er als Hauptredner bei Talk Marriage auf, einer großen ökumenischen Veranstaltung, die 2012 in London stattfand.

Im November 2015 wurde bei Johnny ein nicht behandelbarer Gehirntumor diagnostiziert. Ohne sich durch die schlechte Prognose beirren zu lassen, nutzte er jeden Tag der letzten Monate seines Lebens voll aus. Unter anderem flog er nach New York und dann nach Deutschland, um die dortigen Bruderhofgemeinschaften ein letztes Mal zu besuchen und hielt weiterhin Versammlungen in der Beech Grove Academy ab, der weiterführenden Schule des Bruderhofs in der Nähe von Canterbury. (Als ehemaliger Star-Fußballer seiner Schulmannschaft schaute er den Schülern gerne beim Kicken zu und gab hin und wieder Tipps.)

Bei einer Versammlung am 3. Dezember sagte er Folgendes:

Wie ihr alle wisst, können die Ärzte mir keine Hoffnung machen. Deswegen ist Gott für mich alles geworden. In ihn muss ich mein Vertrauen setzen, an ihn glauben. Und jetzt will ich auf die Ewigkeit schauen, auf das ewige Leben. Das ist nicht leicht, aber es ist auch nicht trübsinnig, denn es geht um das ewige Leben!
Wenn Gott es so will, liegen eure Leben noch vor euch. Ich wünsche euch allen ein langes Leben. Aber darauf kommt es nicht wirklich an. Worauf es ankommt ist, wofür ihr euer Leben einsetzt. In dieser Welt gibt es so viel Not und Leid und Gewalt. Gott braucht Menschen, die ihm ihre Leben weihen, die bereit sind, für sein Reich zu arbeiten. Ihr jungen Menschen, findet Jesus! Gebt ihm eure Leben und ihr werdet unvorstellbar glücklich werden. Selbstverständlich werdet ihr Probleme haben, Probleme gibt es immer. Aber ihr werdet auch Freude finden, und das wird euch die Kraft geben, die ihr braucht.

Johnny kämpfte tapfer – und sogar freudig – bis zum Ende und ging dann, umgeben von seiner Familie und Gemeinde, in tiefem Frieden heim zu Gott, den er so geliebt hatte. Neben seiner Frau Regi und fünf Geschwistern hinterlässt er sechs Kinder: Kathryn Manke, Nick Fransham, Edwin Fransham, Douglas Fransham, Margaret Swinger, und Fiona Barth; und acht Enkel. Ihm voraus ging sein Sohn Johann, der 1980 tot zur Welt kam.

Johnnys Vermächtnis und die letzten Monate seines Lebens finden wohl ihren besten Ausdruck in diesen Versen des Neuen Testaments:

Ich werde nunmehr geopfert, und die Zeit meines Aufbruchs ist nahe. Ich habe den guten Kampf gekämpft, den Lauf vollendet, die Treue gehalten. Schon jetzt liegt für mich der Kranz der Gerechtigkeit bereit, den mir der Herr, der gerechte Richter, an jenem Tag geben wird, aber nicht nur mir, sondern allen, die sehnsüchtig auf sein Erscheinen warten.
(2 Tim 4)

Chris Zimmerman lebt mit seiner Frau im Holzland-Bruderhofhaus in Thüringen.

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Über den Autor

Chris and Bea Zimmerman

Chris Zimmerman

Chris und seine Frau Bea leben auf dem Mount-Bruderhof in Esopus, New York.

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