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Was ich sage

Ein Brief von einer meiner Schülerinnen

10. Juni 2020 von

Mein Name ist Ruben Ayala. Ich lebe in Harlem House, einer Bruderhofgemeinschaft in New York City, und unterrichte Geschichte in der zehnten Klasse an der Promise Academy II, einer öffentlichen Charterschule der Harlem Children‘s Zone.

Als Reaktion auf den Mord an George Floyd und die darauffolgenden Proteste und Unruhen bat ich meine Schüler, ihre Gedanken aufzuschreiben. Amaina, eine gebürtige New Yorkerin und eine meiner Schülerinnen und Schüler, die sich immer im Unterricht engagiert (jetzt auch virtuell) und sich um das Wohlergehen anderer sorgt, schrieb etwas, von dem ich fest überzeugt bin, dass es die ganze Nation hören sollte. Als Schwarzer bin ich stolz auf die reflektierten und aufrichtigen Reaktionen meiner Schüler auf den aktuellen Konflikt unserer Nation. Amainas Stück zeigt Leidenschaft, Intelligenz und den Schmerz, den viele von uns gerade jetzt empfinden. Bitte lies es, und wenn du auf Amainas Worte antworten willst, kontaktiere mich und ich gebe deine Nachricht weiter.

Nein, ich sage nicht, dass dein Leben keine Rolle spielt. Nein, ich sage nicht, dass unsere Rasse die einzige Rasse ist, die durch Leid und Unruhen geht. Nein, ich sage nicht, dass dein Schmerz und deine Verletzungen unbegründet sind.

Ich sage, dass ich es leid bin, meine Leute links und rechts sterben zu sehen: Ein weiteres Opfer von Polizeigewalt, von Mord, Totschlag, Hass und Ignoranz zu sein. Ich habe es so satt, dass Polizisten frei herumlaufen können, nachdem sie anderen Menschen gerade einen Ehemann, eine Mutter, einen Sohn, eine Tochter, einen Onkel, eine Schwester, einen Bruder weggenommen haben. Ich habe es so satt. Ich habe diese Ungerechtigkeit, bei der so viele Menschen einfach wegsehen, so verdammt satt.

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Nein, ich sage nicht, dass wir die einzigen Menschen sind, die angegriffen oder gehasst werden. Ich sage, dass wir immer wieder ins Visier genommen werden, weil wir einfach … schwarz sind. Ich sage, dass unser Leben bereits auf dem Spiel steht, einfach weil wir schwarz sind. Ich sage, dass es schon für Verdacht sorgt, wenn man schwarz ist und einen Kapuzenpulli trägt, dass man von einer Kugel durchbohrt werden kann, wenn man sein Portemonnaie aus der Tasche zieht, und dass die Leute sofort denken, man läuft nach einem Verbrechen davon, obwohl man einfach nur joggt. Jede Kleinigkeit, die wir tun, wird als Bedrohung angesehen.

Ich habe es satt, nicht gehört zu werden. Ich habe es satt, immer friedlich zu sein und immer noch wie Dreck behandelt zu werden. Ich habe es satt, dass unsere Proteste noch mehr Tod und Gewalt über uns bringen. Ich habe es satt, dass immer wieder dieselben Dinge passieren, mit verschiedenen Akteuren, aber es ist dasselbe Problem, das immer wieder auftritt. Ich habe es satt, mein Herz auszuschütten und im Gegenzug bemitleidet zu werden. Ich habe es satt, dass Leute sagen, sie fühlen sich schlecht wegen uns Schwarzen und tun trotzdem nichts, um zu helfen. Ich habe es satt, dass es noch immer keine Veränderungen gegeben hat. Ich habe es satt, der Welt gegenüber immer wieder dieselben Dinge zu wiederholen.

Seht ihr nicht, wie viel Schmerz und Wut diese Morde verursacht haben? Seht ihr nicht, wie sich das auf die Kinder auswirkt, die das miterleben? Seht ihr das nicht? Natürlich nicht, denn es ist euch egal.

Ich will euch eine Frage stellen: Wie kann es zu Veränderungen kommen, wenn die Leute nicht bereit sind, zu helfen und dieses Problem zu lösen? Wie kann es zu Veränderungen kommen, wenn ihr euch ständig weigert, das Problem zu entschärfen, sondern einfach nur herumsitzt und euer Leben weiterlebt, als wäre nichts passiert? Wie können wir jemals Veränderungen erwarten, wenn Menschen voller Ignoranz und Hass nicht bereit sind, sich zu ändern?

Ich habe es satt, dass diese Fragen unbeantwortet und unbeachtet bleiben. Ich habe es satt … ich will einfach, dass das aufhört. Wollt ihr das nicht auch?

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Über den Autor

Ruben Ayala

Ruben Ayala

Ruben Ayala lebt im Harlem House, einer Bruderhofgemeinschaft in New York City. He teaches tenth grade global history at...

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