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Gerechtigkeit

Wut und Gleichgültigkeit

17. August 2017 von

child looking through a soap bubble

Dies ist die Jahreszeit, wo man die schrecklichen Dinge, die überall passieren, leicht aus den Augen verlieren kann. Es ist Sommer, die warmen Tage mit strahlend blauem Himmel sind da.

Schnell vergessen sind die vernachlässigten Kinder und die einsamen Teenager, die die Straßen aller Großstädte bevölkern. Vergessen die alten Menschen, die von ihren Angehörigen vergessen in Seniorenheimen dahindämmern. Man verliert Tod und Hunger im Süd Sudan aus den Augen, die unaufhörliche Gewalt in Syrien, die Menschen in Gefängnissen, die Abtreibungen bei uns in der westlichen Welt, die schreckliche Gedankenkontrolle, die Ungerechtigkeit und der drohende Konflikt in Nordkorea und die neusten Tragödien in Europa.

Warum? Na, die Vögel singen, das Gras ist grün und saftig, die Erbsen sind reif zum pflücken und die Forellen in den Flüssen und Bächen warten darauf, geangelt zu werden. Kinder machen Camping, wandern, tanzen – und hier auf dem Land sieht man keine Gewalt und spürt keinen Hunger.

Was also ist unsere Verantwortung?

Wir haben nicht die Aufgabe, uns Sorgen zu machen oder die Hoffnung zu verlieren – so weit bin ich mir sicher. Sich Sorgen zu machen fügt all dem nur noch ein weiteres Problem hinzu. Aber müssen wir nicht irgendwie zur Kenntnis nehmen, in was für einem schrecklichen Zustand sich die Welt befindet?

Meine eigene Erfahrung ist, dass ich einen inneren Zusammenbruch riskiere, wenn ich die Probleme der Welt zu persönlich nehme. Und wem sollte das helfen? Ich werde nie das Jahr 2003 vergessen. Am 20. März begann die „Invasion, die keiner wollte“ mit der „Operation Shock and Awe“, bei der amerikanische Raketen in Bagdad einschlugen, der Anfang des Feldzuges zum Sturz von Saddam Hussein – und der erste Schritt hin zu einer ungeheuren Zerstörung einer Kultur und eines Volkes.

Wie viele andere auch hatte ich dagegen protestiert. Aber ich hatte mich emotional so darauf fixiert, den Krieg zu verhindern, dass ich mich innerlich wochenlang wie amputiert fühlte, als er trotz allem ausgebrochen war. Ich musste lernen, Gott vollkommen zu vertrauen und die Weltgeschichte (ebenso wie Situationen, die mir persönlich näher waren) in seinen fähigen Händen zu lassen.

Später im Jahr kam für mich eine Zeit der Heilung. Ich half mit, ein Kinderfestival mit 450 Teilnehmern zu organisieren. Wir feierten das Leben und den Sommer mit traditionellen Liedern und Tänzen, tranken Kaffee und aßen selbstgemachten Preiselbeerkuchen. Die Massenmedien konzentrierten sich ganz darauf, den Tod zu feiern, warum sollten wir nicht stattdessen das Leben feiern?

Das könnte wie eine Anleitung zu kleingeistiger Gleichgültigkeit klingen (mit religiösem Mäntelchen) und ich bekenne, dass mir auch das nicht völlig fremd ist. Das ist mir einige Jahre später aufgefallen, als ich die Verantwortung für die Gestaltung unserer gemeinsamen Abendessen übernahm. Ich las normalerweise leichte, unterhaltsame Texte während der Mahlzeit vor, entschied mich dann aber dafür, das Dafour-Tagebuch eines Reporters der New York Times vorzulesen. Es war ein einfühlsam geschriebenes, unpolitisches Tagebuch, eine tiefgehende Darstellung einer der tragischsten Geschichten, die die Welt je erlebt hat. Ich wusste, dass es gut war, aber ich war trotzdem überrascht darüber, wie aufmerksam unser damaliger Prior, Richard Scott, diese Lesungen aufnahm und wie sehr er sie unterstützte.

Richard lebt inzwischen nicht mehr, aber jetzt verstehe und Schätze ich seine Reaktion. Ich habe gelernt, wie wichtig es ist, mit der Not und der Wirklichkeit der Welt verbunden zu sein. Sorge und Angst sind nutzlos und schädlich, aber so zu tun, als existiere das gegenwärtige Leid der Welt nicht, ist ein Verbrechen. Es führt zu Gleichgültigkeit und zerstört unser Empfinden dafür, was der Sinn des Lebens ist.

Für mich ist das Wissen darum, was in der Welt vor sich geht, ein selbstverständlicher Teil davon, zu glauben und zu lieben. Es gehört zu einem engagierten, freudigen und fürsorglichen Leben einfach dazu. Aber wenn unser Wissen uns deprimiert, wenn wir trübsinnig werden und uns innerlich von denen entfernen, die uns brauchen (besonders die, die uns nahe sind), dann sollten wir lieber unwissend bleiben. Für mich ist es wichtig zu wissen, was Leute anderswo erleben, das gehört dazu, mit dem Weinstock verbunden zu sein, aber ohne eine beständige, tiefe Freude kann ich nicht meinen Teil dazu beitragen, Wandel in einer gefallenen Welt zu bewirken.

Deshalb: Feiert das Leben! Lebt intensiv! Aber verhärtet euer Herz nicht denen gegenüber, die leiden.

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Über den Autor

Simon Mercer

Simon Mercer

Simon Mercer ist Tischler, Schweißer und Gärtner. Er lebt auf dem Maple Ridge-Bruderhof.

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