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Allah gesucht – Jesus gefunden

15. Februar 2018 von

Buchumschlag von Allah gesucht, Jesus gefunden

Nabeel Qureshi, ein bekannter Autor und christlicher Apologet, starb im September des vergangenen Jahres an Magenkrebs. Ann Morrissey stellt sein Buch Allah gesucht – Jesus gefunden vor, in dem er seine Bekehrung vom Islam zum Christentum schildert, und teilt ihre Gedanken über Qureshis Leben und Vermächtnis mit.

Die tragische Ironie des Todes von Heather Heyer am 12. August in Charlottesville hat mich unruhig gemacht. Heather, eine einfühlsame, freimütige Rechtsanwaltsgehilfin, das Gegenteil einer Fanatikerin, hielt immer wieder ihren Kopf hin für Benachteiligte, ja im Grunde für jeden, der aus ihrer Sicht missverstanden war. Ihr Kampf gegen Ungerechtigkeit beschränkte sich nicht nur auf die unmittelbaren Probleme North Carolinas. Es ist noch nicht lange her, dass Heather ihren konstruktiven Finger auf verbreitete destruktive Einstellungen legte, indem sie einen Link zu dem Video „If You’re Scared of Islam, Meet a Muslim“ postete. Das trifft es genau.

Auch wer keine Angst vor dem Islam hat, hegt vielleicht haben Zweifel, ob man sich mit jemandem anfreunden sollte, nur weil er Muslim ist, aber all das übersieht, dass der wirkungsvollste Weg, die scheinbar allgegenwärtige Polarisierung zwischen Muslimen und Christen zu überwinden, darin besteht, dass wir einander offen und ehrlich begegnen.

Allah gesucht – Jesus gefunden, ein New-York-Times-Bestseller von Nabeel Qureshi, bietet beiden Gruppen die Gelegenheit dazu, besonders denen unter uns, die persönlich nie die Grenze zwischen unserer Welt und der anderen überschritten haben. Nabeels Geschichte lässt beide Glaubensrichtungen lebendig werden. Als Muslim im Westen geboren, wuchs Nabeel in den Achtzigern und Neunzigern in Amerika und Schottland auf. Seine Schilderung des vielschichtigen reichen Brauchtums in seiner frommen muslimischen Familie ist ein beredtes Zeugnis von der Stärke und Weisheit muslimischer Traditionen. Allah ist die Luft, die Muslime atmen, und Mohammed ist Allahs allgegenwärtiger Prophet.

Als Fünfjähriger beginnt Nabeel mit seiner Mutter den Koran zu lesen und auswendig zu lernen – das ist für andächtige Gebete unerlässlich. Eine der ersten Suren (Kapitel), die er sich einprägt, ist die Nummer 112, eine der Lieblingssuren seiner Mutter. Mohammed erklärte diese Sure für so „gewichtig und folgenreich“, dass derjenige, der sie rezitiert, damit ein Drittel des Korans rezitiert. Worum geht es darin? Gott ist kein Vater, und er hat keinen Sohn.

Der wirkungsvollste Weg, die Polarisierung zwischen Muslimen und Christen zu überwinden, darin besteht, dass wir einander offen und ehrlich begegnen.

Als ich das las, tat sich eine bestürzende Kluft auf zwischen dem Muslim Nabeel und mir, einer Christin. Ohne Gott, den Vater, der seinen Sohn hingibt, um mich von der gerechten Strafe zu erretten, die ich für meine Übertretungen verdient habe, löst sich der Eckstein meines Glaubens in Luft auf. Ich kam ins Rudern in der Gegenwart von Nabeels unpersönlichem Allah, denn mein Glaube hängt an einer vertrauten Beziehung zu Gott, meinem Vater, und zu Jesus, seinem Sohn. Obwohl er wesensmäßig anders ist, lädt mich Gott, der Vater, bereitwillig ein, mich ihm innig zu nähern.

Nabeels muslimischer Glaube ruht auf seiner Hingabe an Allah, seiner tiefen Ehrerbietung für Mohammed, seinen rezitierten Gebeten und seinem eifrigen Einprägen des Korans in arabischer Sprache. So groß diese Unterschiede auch sind, festigten sie doch mein Verständnis des muslimischen Glaubens und interessanterweise vertieften sie auch meine Achtung vor Muslimen.

Noch klarer wird das Bild des Islam, wenn Nabeel in warmherzigen, feinen Details seine Kindheit und Jugend nachzeichnet. Als ein Muslim, der in nichtmuslimischen Ländern heranwächst, weiß er, dass er anders ist als andere, und spürt oft eine Distanz, selbst zu seinen Freunden. Er kommt nicht unbedingt auf die Unterschiede zwischen Islam und Christentum zu sprechen. Das braucht er auch gar nicht; sie liegen offen zutage.

Auf der Universität freundet sich Nabeel ohne besondere Absicht mit einem Christen namens David an und lässt seine Leser an einem Destillat ihrer faszinierenden, intensiven Streitgespräche teilhaben: Islam und Christentum kreuzen die Klingen. Nabeels unersättlicher Hunger nach der Wahrheit über Gott treibt ihn in diese tiefschürfenden Diskussionen hinein.

Allerdings betont Nabeel, hätten er und David nicht eine so vertrauensvolle Freundschaft geschlossen, so wäre es nie dazu gekommen, dass sie sich so gründlich mit dem Glauben des anderen auseinandersetzten. Und damit schließt sich der Kreis zu Heather Heyers Video-Link, nur dass Nabeel und David die Latte noch höher ansetzen: Statt nur jemandem zu begegnen, der anderer Meinung ist, entwickeln sie eine echte Freundschaft mit dieser Person.

Wer dieses Buch in die Hand nimmt, der tue es bitte mit dem Vorsatz, Nabeels Geschichte von Anfang bis Ende zu verinnerlichen. Nicht auf halber Strecke aufgeben! Für Muslime und Christen ist die Lektüre besonders bereichernd, weil Nabeel sich mit diesen beiden Religionen befasst, doch Allah gesucht – Jesus gefunden spricht jeden an, der Menschen, die anders leben, besser verstehen möchte.


Nabeel Qureshi, der seit einem Jahr an einem aggressiven Magenkrebs litt, starb am 16. September 2017 mit vierunddreißig Jahren. In den letzten Jahren hat er bei öffentlichen Vorträgen, durch sein Schreiben, über Facebook und in Vlogs seinen Glauben an Tausende von Menschen weitergegeben. Nabeels letzte Botschaft vom 9. September enthält die bewegende Bitte: „Wenn ihr auf meinen Dienst zurückblickt, dann hoffe ich, es bleibt eine Botschaft der Liebe, des Friedens, der Wahrheit, der gegenseitigen Anteilnahme. Unser Gott ist ein Gott der Liebe.“ Davon zeugt Allah gesucht – Jesus gefunden, doch mehr noch verkündet Nabeels ganzes Leben den liebenden Gott, an den er so leidenschaftlich glaubte.

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Ann Morrissey

Ann Morrissey lebt zusammen mit ihrem Mann David auf dem Beech Grove-Bruderhof in England. Sie haben Freude an der...

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