Jesusnachfolge

Nachfolge • Geistliches Leben • Gebet
Gütergemeinschaft • Glaube • Umkehr

Jesusnachfolge

Das beste Argument - Warum Liebe mehr sagt als Worte

25. April 2016 von

Ich begegnete Alan das erste Mal an der Uni. Er studierte Physik, war intelligent und sprachgewandt. Wie Alan überhaupt sein Studium bewältigen konnte, grenzte für mich allerdings an ein Wunder, denn er war nahezu blind. Er konnte sich zwar einigermaßen räumlich orientieren und sich von einem Ort zum anderen begeben, aber Lesen war etwas völlig anderes. Ich sehe ihn immer noch vor mir, wie er, sein Gesicht nur wenige Zentimeter über einen Text gebeugt, seine Aufgaben nur mit größter Mühe erledigen konnte. Alan erzielte nicht nur ausgezeichnete Ergebnisse, sondern kehrte sogar als Dozent an unsere Uni zurück.

Obwohl er aus einer jüdischen Familie stammte, war Alan sehr skeptisch allem Religiösen gegenüber, besonders dem Christentum. Er war sehr belesen und bewandert in religiösen Themen und untermauerte seine Zweifel mit Methoden der Wissenschaft. Alan war überzeugt davon, dass das Christentum wissenschaftlichen Ansprüchen nicht standhalten kann. Wunder hielt er für unwahrscheinlich und unschuldiges Leiden schien der Existenz Gottes zu widersprechen. Deshalb erklärte er sich zum Agnostiker – es gab schlicht zu wenig Beweise für den Glauben an einen Gott.

Trotz unserer Verschiedenheit war Alan gerne mit mir und meinen christlichen Freunden zusammen. Er kam mit auf unseren Ausflügen an diverse Strände und zu nächtlichen Kneipenbesuchen. Wir versuchten Alan in all unsere Aktivitäten mit einzubeziehen.

Eines Abends als wir beim Sonnenuntergang am Strand ums Lagerfeuer saßen, geschah etwas mit ihm, ohne dass wir es bemerkt hätten. Alan übergab sein Leben Gott. Am nächsten Tag erzählte er mir, was geschehen war. „Aber Alan,“ sagte ich, „wie kommt es, dass du auf einmal glaubst?“ „Als ihr alle beim Lagerfeuer gesungen habt, habe ich mich dabei ertappt, glücklich zu sein. Und eigentlich bin ich immer glücklich, wenn ich mit Euch zusammen bin.“ „Ich dachte, ohne ausreichende Beweise kannst du nicht glauben.“ „Das stimmt,“ erwiderte er, „die brauche ich. Und genau deshalb glaube ich ja jetzt. Es ist eure Liebe füreinander. An diesen Beweis habe ich nie zuvor gedacht.“

Eine Gruppe Menschen sitzt gemeinsam um ein Lagerfeuer

Alans Kopf und Herz vollzogen eine völlige Kehrtwende. Obwohl noch viele Fragen offen blieben, gab es keine Streitgespräche mehr. Die Beweise, die er zuvor nicht hatte feststellen können, trafen ihn jetzt mit Wucht. Gottes Liebe so sichtbar zu erleben bewirkte einen Wandel in Alan: Überall sah er nun Gottes Spuren.

Das, was ich mit Alan erlebt hatte begleitet mich seitdem. Auch als ich später meinen Magister in Philosophie machte, vergaß ich seine Lektion nie. „Es war eure Liebe füreinander, die genug Beweis für mich war.“

Heute tobt der Ideenkrieg. Konkurrierende Ideologien, Philosophien, religiöse Überzeugungen und Weltanschauungen existieren im Überfluss. Diese Ideen einzuordnen ist eine schwierige aber notwendige Aufgabe. Wenn sich aber ein Mensch zum Christentum bekehrt, dann nicht deshalb, weil es die logischste aller Weltanschauungen wäre, sondern weil er mit eigenen Augen gesehen hat, wie es gelebt wird.

Kürzlich habe ich mit zwei Bekannten, die in Jordanien mit muslimischen Flüchtlingen arbeiten, gesprochen. Ganz allein versorgt die kleine Kirchengemeinde, in der sie mitwirken, 50.000 Vertriebene mit dem Lebensnotwendigen, mit Schule und freundschaftlichen Kontakten. Nach und nach fragen Einzelne danach, wer dieser Jesus oder Isa ist. Still und bescheiden finden sie den Glauben an Jesus. Eine Mutter sagte, „Ihr sagt dass Gott Liebe ist und dass es wegen Jesus ist. Durch euch erlebe ich, dass es wahr ist.“

Wir dürfen nicht vergessen, dass die Verteidigung der Richtigkeit des christlichen Glaubens weit über den Verstand hinaus geht. Um mit Stanley Hauerwas zu sprechen, „Grundlegend ist nicht, dass Christen die Wahrheit kennen, sondern dass sie die Wahrheit leben.“

Man kann das Christentum verteidigen, aber man kann auch eine Verteidigung des Christentums sein. Der Unterschied ist keineswegs trivial. Das stärkste Argument für den Wahrheitsgehalt des Christentums ist in das Leben, das aus ihm entspringt. Jesus macht das sehr deutlich indem er sagt, „Daran werden alle erkennen, dass ihr meine Jünger seid: wenn ihr einander liebt“ (Johannes 13,35). Was die Welt wirklich braucht, sind nicht Worte, sondern gelebte Zeugnisse, die die Kraft seiner Liebe verkörpern. Einzig unsere Einheit wird die Welt von der Realität Christi überzeugen (Johannes 17,22-23). Für Jesus sind Überbringer und Botschaft Eins.

Aus dem Amerikanischen übersetzt von Clemens Weber.

Kommentare

Über den Autor

Charles E. Moore

Charles E. Moore

Charles E. Moore lebt mit seiner Frau und seiner Tochter in Esopus im US-Bundesstaat New York, wo er an der Mount Academy...

Biografie lesen
Alle Autoren anzeigen

Bleib in Kontakt

mit dem kostenlosen Voices Blog Newsletter!

Leseempfehlungen

Alle anzeigen

Das könnte dich auch interessieren

Alle Artikel anzeigen
Alle Artikel anzeigen

Sag uns, was du darüber denkst

Bitte benutze das Formular, um uns zu sagen, was du denkst * Kommentare werden moderiert