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Jesusnachfolge

Ein Hippie begegnet dem Kreuz Jesu

9. April 2020 von

cross and sunset

Obwohl ich entsetzt über die Handlungen meiner „christlichen“ Nation, den USA, war, hätte ich damals nie gedacht, dass Jesu radikaler Weg der freiwilligen Wehrlosigkeit die Antwort war, nach der ich suchte.

Ich bin in einer Familie ohne Glauben oder Religion aufgewachsen. Es gab einen Anspruch an Anstand und Moral, aber Christentum und Jesus wurden selten erwähnt, und wenn, dann sicherlich nicht als ethische Autorität. Christen waren genauso gut oder schlecht wie alle anderen, und wir alle standen hinter unserem Land seinen Kriegen, ohne Zweifel an der Legitimität.

Ich kam aus dieser Familie, die ganz dem „American Dream“ verpflichtet war, und ich war auf der Suche nach einer Ausbildung, die zu einem guten Job und einem hohen Einkommen führen würde. Dann kam der Vietnamkrieg und die Friedensbewegung, die vor allem auf Fachhochschulen und Universitäten stark vertreten war. Es war eine Zeit der gesunden Infragestellung der Grundlagen unserer amerikanischen Gesellschaft und unseres Wirtschaftssystems; es war eine Massenbewegung vor allem unter jungen Menschen, die das „Establishment“ ablehnten und nach einer Grundlage für Liebe, Frieden und Gerechtigkeit suchten – eine Zeit wie keine andere zuvor oder danach.

Ich war Student an der University of Akron, nur zwanzig Kilometer entfernt von der Kent State University, wo die Nationalgarde von Ohio 1970 vier Studenten ermordete. Meine freiheitliche demokratische Regierung hatte gerade Bürger niedergeschossen, die ihre verfassungsmäßigen Rechte ausgeübt hatten. Das veränderte mein ganzes Leben. Es würde nie wieder so sein wie vorher. Ich machte mich auf die Suche nach dem wirklichen Sinn des Lebens, und nach einer Grundlage, auf der ich mein Leben aufbauen konnte.

Das erste Problem, mit dem ich mich auseinandersetzen musste, war die Wehrpflicht, da ich immer mehr davon überzeugt war, dass ich nicht an der Tötung von fremden Menschen ohne gerechtfertigten Grund teilnehmen konnte. Mein örtlicher Einberufungsausschuss lehnte meinen Antrag auf Kriegsdienstverweigerung aus Gewissensgründen ab. Da ich nicht Teil einer „Friedenskirche“ war, hatte ich niemanden, der für mich eintrat. Glücklicherweise wurde bei meiner Musterung festgestellt, dass ich an einer Krankheit litt, die mich wehruntauglich machte. 

Meditierender Hippie

Es ist immer leicht, zu sehen, was alles falsch und schlecht ist, und was verbessert und verändert werden muss, aber Antworten und Lösungen zu finden, wie eine neue Gesellschaft aufgebaut werden könnte, ist eine ganz andere Angelegenheit. Trotzdem war die Hippiebewegung in der westlichen Welt etwas Einzigartiges. Junge Menschen voller Hoffnung auf eine bessere Welt suchten nach Antworten.

Meine Frau Susan, die in einem christlich-fundamentalistischen Elternhaus aufgewachsen war, teilte meine Hoffnung und war mit mir auf der Suche. Auf unserer Suche nach einer Antwort kam das Christentum für uns nie in Frage. Christen, die um ihr persönliches Heil und ihr persönliches Wohlergehen besorgt waren und Bibeln in der ganze Welt verteilten, die wirtschaftliche Ausbeutung und Kriege im Namen Christi verbreiteten, waren, soweit wir sehen konnten, Teil des Problems. Wir schauten auf andere Glaubensbewegungen, wo Liebe, Frieden und Gerechtigkeit gefunden werden könnten.

Dann stießen wir auf ein wenig bekanntes Buch von Leo Tolstoi, Meine Beichte, und begegneten der Bergpredigt Jesu. Unsere Herzen machten einen Sprung, als wir die Worte Jesu gelesen hatten. Das war genau das, was wir dachten und wie die Welt unserer Ansicht nach regiert werden sollte. Das war es, wonach wir gesucht hatten. Wir kamen zu der Gewissheit, dass Jesu Weg der Weg der absoluten Liebe ist, ohne die Hintertür des „gerechten Krieges“, die den größten Teil des Christentums kompromittieren. Aber wo waren die Christen, die nach diesen Worten lebten, die sie ernst nahmen? Wir hatten sie noch nie gesehen. Das bedeutete nicht, dass es keine solchen Menschen gab, nur dass wir sie nicht gefunden hatten.

junges Paar mit Kind Gary und Susan mit ihrer Tochter Sarah

Als wir mehr über Jesus lesen, besonders seine Worte und sein Leben, wie es in den Evangelien aufgezeichnet ist, wurde uns klar, dass sein Kreuz viel mehr darstellte als die Sühne für unsere Sünden. Es war der Weg. Anders war der Teufel nicht zu überwältigen. Anders würden die Werke des Teufels nicht zerstört werden können. Die Macht des Teufels über die Menschheit konnte durch kein anderes Mittel gebrochen werden als durch das Leiden einer unschuldigen Liebe, die ihr Leben am Kreuz hingab. Die zwölf Legionen von Engeln, die in Gethsemane zur Verfügung standen, konnten dieses Werk nicht vollbringen, obwohl man sich keinen gerechteren Krieg vorstellen könnte als die gerechten Engel, die den Teufel und seine Diener überwältigen.

Dieser Weg des Kreuzes Jesu ist der Weg der Wehrlosigkeit, der für die Weisen dieser Welt sinnlos erscheint. „Ich aber sage: Wehrt euch nicht, wenn euch jemand Böses tut!“ (Mt 5,39) Noch beunruhigender aber ist, dass Jesus uns sagt, wir sollen das Kreuz nehmen und ihm nachfolgen, wir sollen unser Leben verlieren, damit wir es gewinnen können. Das Kreuz des Gläubigen sind nicht die gewöhnlichen Alltagsprobleme, die wir alle zu tragen haben. Es ist nicht Krankheit oder Stress oder andere übliche Formen des Leidens. Das Kreuz der Gläubigen ist vielmehr der Preis der Nichtkonformität mit den herrschenden Mächten und Gewalten. Es ist die Konsequenz davon, ein Affront und eine Bedrohung für die Macht des Teufels zu sein, die durch seine Lakaien, durch die politischen, religiösen und wirtschaftlichen Mächte unserer Zeit verwaltet wird, so wie Jesus ein Affront gegen die Römer und die religiösen Autoritäten seiner Zeit war.

Das Kreuz, zu dem Jesus uns ruft, ist völlig vermeidbar. Es liegt hinter der schmalen Pforte, durch die zu gehen wir uns freiwillig entscheiden müssen, nachdem wir die Kosten erwogen haben. Wenn wir diese neue Ordnung des Reichs Gottes vertreten – wenn wir uns weigern, an Gewalt und Ungerechtigkeit teilzunehmen – werden wir verfolgt werden und leiden müssen, so wie Jesus leiden musste. Aber Jesus sagte auch: „Wer sein Leben um meinetwillen und um der guten Botschaft willen verliert, wird es retten.“ (Mk 8,35) Das ist die Hoffnung für die Welt – der Weg, der zu wahrer und dauerhafter Liebe, zu Frieden und Gerechtigkeit führt.


Gary Frase lebt auf dem Foxhill-Bruderhof in Walden, New York.

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