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Gedanken vor Weihnachten

23. Dezember 2016 von

 „Die Zeit vergeht im Sauseschritt“ schreibt Wilhelm Busch. Das hat sie auch dieses Jahr wieder gemacht, und es ist wieder kurz vor Weihnachten. Trotzdem – oder vielleicht sogar deswegen – gibt es wieder viel Stress, auch finanziellen Stress. Diese Zeit soll etwas Besonderes sein, und da denken wir schnell, dass dieses „Besondere“ gekauft werden muss. Besondere Erlebnisse, eine Reise, Geschenke, Feste. Aber wo bleibt die Freude bei all dem?

 Stille Krippe in Keilhau/ Thüringen um 1920 herum.

Stille Krippe (Krippenszene mit lebenden Darstellern) in Keilhau/Thüringen um 1920

Wie kommen wir durch dieses Dickicht, wie können wir diese Nebensächlichkeiten überwinden, um das zu finden, was wesentlich ist?

Dafür müssen wir zuerst still werden. Wir müssen uns Zeit nehmen. Warum nicht mit einem Kind zum Spielen in den Wald gehen? Oder mit einem geliebten Menschen einen langen Spaziergang machen? Wir sollten Raum schaffen, in dem das Erholsame und Heilsame in uns wirken kann: Gott, der durch die Natur, durch seine gute Schöpfung an uns herantritt und zu uns spricht.

In der Stille sehen wir, dass die Welt trotz allem schön ist. Trotz aller Krisen in der Politik, trotz Terror und Kriegen, trotz allem Schlechten: Gott wirkt noch immer Gutes in seiner Schöpfung: das Lächeln eines Kindes, der Gesang des Windes in den Bäumen, der atemberaubend schöne Sonnenuntergang am Ende eines grauen Tages. Manchmal grenzt das Gute an das Wunderbare, zum Beispiel, wenn ein schwieriger Konflikt unverhofft zu einer Lösung kommt, wenn Vergebung möglich ist, wo vorher Verbitterung und Feindschaft war.

Sicher haben wir das alle schon einmal erlebt: Man sucht und kämpft, aber es scheint keinen Weg nach vorne zu geben. Und plötzlich gibt es eine Lücke in der Mauer, eine Öffnung, einen Weg. Keiner kann’s erklären, außer dass die Zeit einfach reif dafür war.

Wenn wir lernen, auf diese Momente in unserem Leben zu achten, wenn wir still genug sind und sie aufmerksam wahrnehmen, dann bekommen wir nach und nach eine ganz neue Sichtweise, eine ganz neue Lebenseinstellung. Mit Zweckoptimismus hat das nichts zu tun. Hier geht es um Hoffnung, um das Pflänzchen der Hoffnung, dass wir ihm in uns selbst und – was genauso wichtig ist – in anderen Wasser, Nahrung und Pflege geben.

Wenn wir mit solcher Hoffnung in die Weihnachtszeit hineingehen, dann werden unsere Augen immer mehr lernen, auch eine andere Realität zu sehen. Trotz Konsum und Kommerz, trotz aller Routine können wir dann zu Weihnachten etwas finden – oder zumindest erahnen – was einzigartig wertvoll ist. Emmy Arnold hat einmal geschrieben:

Auch wenn viele Leute die Weihnachtszeit geschäftlich ausnützen und eigentlich nur an sich denken,   auch wenn das Weihnachtsfest immer wieder so pervertiert wird, eines bleibt doch bestehen: zu dieser Zeit fühlt sich jeder Mensch dazu gedrängt, an die andern zu denken, den andern Liebe zu erweisen, für die andern da zu sein. Dieser Gedanke ist die Art der Vorfreude, die jeder mitempfindet; es ist das Gefühl der Verbundenheit der Menschen untereinander, der Jubel der Freude aneinander, die Gewissheit der Liebe zueinander. Der Duft der lebenden Tanne, der strahlende Mittelpunkt, um den sich die Weihnachtsgaben aufbauen, der  Lichterglanz und die Sterne am Weihnachtshimmel, das alles ist ein Zeichen für das Hereinbrechen des Lichtes in die Finsternis, die uns so oft umgibt: die Finsternis des Unfriedens, des Familienstreits, des Statusdenkens, des Konkurrenzneides und des nationalistischen Hasses. Es ist ein Zeichen des Lebens, der Wärme und der Liebe.

Stille Krippe in Keilhau/ Thüringen 2016

Stille Krippe in Keilhau 2016 

Wenn wir daran glauben, haben wir etwas Kräftiges, Lebendiges, das uns vorwärts tragen kann. Nicht nur als Schmuck, wie etwa das Tannengrün, das die düsteren Ecken unseres Lebens für kurze Zeit verschönt und versteckt, bevor es dann nach Weihnachten ausgetrocknet auf dem Komposthaufen landet. Dieser Glaube wird etwas sein, das uns wirklich von innen stärkt und Mut macht, etwas, das uns Kraft zum Wachsen gibt und Kraft, standzuhalten, wenn die Stürme des Lebens wehen. Diese Kraft spendet Leben und bringt uns  ins neue Jahr, und durch das ganze Leben.

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