Jesusnachfolge

Nachfolge • Geistliches Leben • Gebet
Gütergemeinschaft • Glaube • Umkehr

Jesusnachfolge

Gedanken zur Fastenzeit

14. März 2019 von

Während die Fastenzeit beginnt und wir uns Ostern nähern, wende ich mich einem Andachtsbuch zur Fastenzeit zu, das für mich eine lange Tradition hat: Der am Kreuz ist meine Liebe. Es wurde vom lutherischen Pastor Ernst von Holst Ende des 19. Jahrhunderts im baltischen Lettland geschrieben. Er gab meiner Urgroßmutter ein Exemplar das mittlerweile seit über hundert Jahren von meiner Familie gelesen und geschätzt wird. Ich erinnere mich, dass meine Großmutter mir als Teenager daraus vorgelesen hat; später habe ich es wiederentdeckt, als mein Mann Jake und ich es zusammen gelesen haben.

Dieses Buch ist keine theologische Abhandlung; seine Schönheit liegt in seinem Aufruf an das Herz. Von Holst fordert seine Leser auf, sich diese Osterzeit zu Herzen gehen zu lassen, auf Jesus zu blicken und den Schmerz zu begreifen, den er um unserertwillen erlitten hat:

Wir tragen oft schwer an der Last unserer Arbeit, Sorgen und Leiden, aber wenn ein Mensch das ganze Gewicht seiner Sünde und Schuld fühlen und tragen müsste, so würde er darunter in ewige Nacht versinken. Schwer war der Kreuzesbalken, den der Herr auf seiner blutig gegeißelten Schulter nach Golgatha trug, aber schwerer war die unsichtbare Last, die auf diesem Holz des Fluches ruhte. Es war nicht eines Menschen, sondern aller Menschen, ja der ganzen Welt Sünde, Schuld und Todesstrafe, die das Lamm Gottes auf sich geladen hatte. Dieses Lamm recht anzuschauen mahnt uns die Passionszeit, mahnt uns Johannes mit seinem Ausruf: „Siehe!“

Wie einst in der Wüste die Kinder Israels unter den Bissen der feurigen Schlangen Rettung suchend emporblickten zu der ehernen Schlange, so mögen auch wir immer glaubensvoller, immer tiefer und dankbarer den Gekreuzigten anschauen, welcher unsere Last getragen und unsere Schuld gesühnt hat. Aber dazu gehören neue, geheiligte Augen. Die müssen wir uns vom Herrn erflehen, wenn wir die Leidensgestalt unseres Erlösers recht erfassen und in unsere Herzen schließen wollen.

Mit solchen Augen versenke dich, meine Seele, in das Anschauen Deines leidenden Heilands. Siehe ihn dort in den nächtlichen Schatten des Garten Gethsemane im Todesringen auf seinem Angesichte liegen und blutigen Schweiß vergießen, siehe ihn dort im Gerichtshof schweigend die Geißelhiebe der grausamen Henker, die Verhöhnung und Dornenkrönung erdulden. Stelle Dich unter das Kreuz von Golgatha, höre die letzten sieben Worte des Sterbenden, schaue auf das Haupt voll Blut und Wunden, diese Glieder voller Marter, diese Augen voller Tränen.

Osterbild mit dem Titel Das Kreuz im Gebirge (Ausschnitt) von Caspar David Friedrich

Ach, schaue noch tiefer, schaue hinein in dieses Jesusherz, und siehe an seinem Gehorsam gegen den Vater, sein Erbarmen gegen dich. Siehe dieses Herz brechen und dieses Haupt im Tode sich neigen, bis auch dein Herz in Schmerz und Liebe bricht und deine Augen übergehen in Tränen heiligen Dankes. Alle, die ihn so anschauen und in der Seele tragen, bilden hier auf Erden zusammengefasst die große unsichtbare Gemeinde Gottes, die einst am Tage der Herrlichkeit offenbar werden und dieses Lamm wiedersehen wird, als ihren verklärten ewigen König. Dann wird sie erfahren, was die Weissagung des neuen Bundes verkündet: „Das Lamm Gottes wird sie weiden und leiten zu den lebendigen Wasserbrunnen und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen.“

Kommentare

Über den Autor

Emmy Maendel

Emmy Maendel

Emmy Maendel hat ein besonderes Interesse an der Geschichte des Bruderhofs.

Biografie lesen
Alle Autoren anzeigen

Bleib in Kontakt

mit dem kostenlosen Voices Blog Newsletter!

Leseempfehlungen

Alle anzeigen

Das könnte dich auch interessieren

Alle Artikel anzeigen
Alle Artikel anzeigen