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Herodes absetzen

20. Dezember 2018 von

Painting of Herod by James Tissot
Herodes von James Tissot

Der Neutestamentler N.T. Wright erzählt von einem Weihnachtsgottesdienst, bei dem er predigte. Ein bekannter Historiker, bekannt für seine Skepsis gegenüber dem Christentum, näherte sich ihm. „Ich habe endlich herausgefunden, warum die Leute Weihnachten mögen“, erklärte er. „Ein Baby bedroht niemanden. Also ist das Ganze ein fröhliches Fest, das überhaupt nichts bedeutet!“

Jeder, der sich bemüht, die Evangelien zu lesen, weiß jedoch, dass das erste Weihnachten nicht gerade ein fröhliches Fest war. Bevor der Friedensfürst überhaupt laufen oder reden konnte, war er ein obdachloser Flüchtling auf den ein Kopfgeld ausgeschrieben war. Die Geburt Jesu war alles andere als ein Postkartenmotiv. Dieses Kind war eine Bedrohung. Die kleine Stadt Bethlehem war nicht nur der unglückliche Ort, an dem Gottes Sohn leise in die Welt kam, sondern auch der Ort, an dem die Soldaten von Herodes Babys und Kleinkinder niedermetzelten, nur um sicherzustellen, dass der Thron von Herodes sicher blieb.

Das Wunder von Weihnachten ist nicht nur, dass Gott Mensch geworden ist, sondern auch, wie die Demut Gottes die „Herodes“ dieser Welt bedroht und herausfordert – nicht nur Könige und Präsidenten, sondern jeden, der sich auf Kosten der Liebe an Macht und Privilegien klammert.

Viele Leute sind wie Herodes. Menschen wie du und ich, die sich weigern, irgendetwas oder irgendjemandem zu erlauben, in unser Territorium, unseren Ehrgeiz, unseren Einflussbereich, unser Vorrecht, die Show zu leiten, einzugreifen. Unsere Königreiche sind vielleicht nicht so groß oder beeindruckend wie die von Herodes, aber jeder von uns hat Ansprüche darauf, was uns gehört und was wir wollen. Viele Leben werden dabei ruiniert.

Wenn wir ehrlich sind, ist in jedem von uns etwas von Herodes: Wir widersetzen uns „Gott mit uns“, denn wir wissen, dass dies das Ende unseres Egos und unserer Suche nach dem persönlichen Vorteil bedeutet.

Das hat mich während des Studiums einmal ganz persönlich in den Weihnachtsferien beschäftigt. Ich hatte einen befristeten Job als Kassierer in einer kleinen Drogerie in Berkeley, Kalifornien. Mir wurden nur sechzehn Stunden pro Woche zugeteilt. Die anderen Kassierer und Angestellten erschienen mir wie echte Verlierer – Studienabbrecher oder Damen mittleren Alters, die keinen Ehrgeiz und keine Initiative zeigten. Ich konnte schneller arbeiten als sie und konnte die Schlange der Kunden in Bewegung halten. Wann immer es eine Flaute gab, räumte ich die Gänge und Regale auf, während meine Kollegen einfach miteinander plauderten.

Am Ende der Woche rief mich der Manager in sein Büro. Ich kam herein, ziemlich sicher, dass er mich für meine Arbeitsweise belohnen wollte. Ich sagte ihm, ich wolle mehr Stunden, was bedeutete, dass er die Zeitpläne der anderen anpassen müsste.

Er erinnerte mich daran, dass ich zum einen nur Aushilfskraft war und auch, dass er Mitarbeiter mit Kindern hatte, die über die Runden kommen mussten.

Ich erwiderte indem ich ihm sagte, wie effizient ich sei.

„Ja“, gab er zu. „Aber in Ihrer Kasse fehlen auch 253 Dollar. Vielleicht können Sie etwas Licht in die Sache bringen?“

„Was?“ Ich war sprachlos. Ich sah ihn nur an und stammelte.

Mein Manager hatte sich die Videoaufzeichnungen dieser Woche angesehen und festgestellt, dass ich in meiner Eile die Kasse nicht immer richtig bedient hatte. Dies erklärte das Defizit.

„Übrigens, es ist Weihnachten“, sagte er, als ich sein Büro verließ.

In der Tat war es das! Mein Ego, der Teil des Herodes in mir, der zu dominieren, an die Spitze zu klettern und dort zu bleiben suchte, der um Ansehen und persönlichen Gewinn wetteiferte, auch auf Kosten anderer, wurde in Stücke gerissen.

Mögen wir das Wunder der Demut und der Verneigung vor dem Herrn der Liebe wieder entdecken. Das allein ist das Geheimnis für ein frohes Weihnachtsfest.

Historiker glauben, dass Herodes an einer schmerzhaften unheilbaren Krankheit litt, als die Ereignisse um die Geburt Christi stattfanden. Sein Festhalten an der Macht war so paranoid geworden, dass er nur fünf Tage vor seinem Tod noch einen seiner Söhne hinrichten ließ, weil er glaubte, er würde um den Thron wetteifern. Wie absurd! Herodes versuchte verzweifelt, an etwas festzuhalten, was er sowieso verlieren würde.

Das ist es, was wir alle erkennen müssen. Wie viele von uns sind besessen davon, alles im Griff zu haben und unser Leben so zu gestalten, dass wir stark bleiben und voran kommen? Wie viele von uns vergessen, dass „die Herrschaft auf seiner Schulter sein wird“, wie der Prophet Jesaja schreibt. Unsere Königreiche müssen zu Ende gehen, damit sein Reich einbrechen kann. Das ist die gute Nachricht! Wenn der Herodes in uns und unter uns entthront wird, kommt es immer wieder zu Weihnachten.

Die Größe Christi offenbarte sich innerhalb der Grenzen einer Krippe. Wenn wir nicht bereit sind, uns in die gleiche Richtung nach unten zu bewegen, wenn wir Christus nicht als den bescheidenen Herrn unseres Lebens annehmen, wird das Erbe des Herodes hartnäckig bleiben und Verwüstung auf der Erde anrichten.

„Siehe, dieser ist dazu bestimmt, dass viele in Israel fallen und viele aufstehen“, kündigte Simeon Maria an. Was wird es in unserem Leben sein? Möge es sein, dass wir das Wunder der Demut und der Verneigung, der tiefen Verneigung, vor dem Herrn der Liebe wiederentdecken. Das allein ist das Geheimnis für ein frohes Weihnachtsfest.

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Charles E. Moore

Charles E. Moore

Charles E. Moore lebt mit seiner Frau und seiner Tochter in Esopus im US-Bundesstaat New York, wo er an der Mount Academy...

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