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Was ist ein Täufer?

23. Juli 2020 von

In diesen seltenen Fällen, in denen mich jemand fragt, ob ich Katholik oder Protestant bin, sage ich ihm: „Eigentlich bin ich keines von beiden, ich bin Täufer.“ Die Antwort ist oft ein etwas leerer Gesichtsausdruck. Einerseits ist das nicht überraschend; „Täufer“ ist kein geläufiger Begriff. Aber es ist auch eine echte Schande, dass eine Bewegung, die buchstäblich die Welt verändert hat, nicht besser bekannt ist, vor allem unter Christen.

Im Jahr 1525 tauften sich Conrad Grebel, Felix Manz, Georg Blaurock und etwa ein Dutzend andere im Haus der Mutter von Manz in Zürich gegenseitig. Das sieht nicht nach etwas Weltbewegendem aus, aber mit dieser einfachen Handlung zerbrach eine tausendjährige Einheit von Kirche und Staat und es wurde eine Erweckungsbewegung geboren, die ganz Europa ergriff und als Anfang dessen gesehen wird, was als Täufertum bekannt wurde.

Wenn wir bis heute vorspulen, gibt es rund vier Millionen Täufer in der ganzen Welt. Dazu gehören Mennoniten, Amische, Hutterer, Brüdergemeinden, deutsche Baptisten und Mitglieder vieler anderer Gruppen, einschließlich (natürlich) des Bruderhofs - obwohl wir sozusagen ein späterer Zweig des Täuferbaums sind. Jetzt denkt man vielleicht an Pferde und Buggys, Hosenträger und Strohhüte, aber das ist nur ein winziger Ausschnitt des Ganzen. Heute gibt es im Kongo mehr Mennoniten als in Kanada. Tatsächlich leben zwei Drittel der Täufer in Afrika, Asien und Lateinamerika. Was geschah also in den 495 Jahren zwischen Conrad Grebel und heute? Na ja, ziemlich viel.

Eine Taube

Sehr vereinfacht gesagt unterschieden sich Täufer von Mitgliedern anderer Kirchen, weil sie glaubten (und immer noch glauben), dass Christen frei nach ihrem Gewissen leben sollten, auch wenn dies bedeutet, die Gesetze des Landes, in dem sie leben, zu brechen. Wie zu erwarten war, brachte sie diese Haltung in Konflikt mit Fürsten, Königen und anderen Herrschern. Was waren das für Gesetze, die zu befolgen sie sich weigerten? Mit Ausnahme der münsterischen Täufer (einer gewalttätigen Gruppe, die ein trauriges Ende fand) weigerten sich Täufer, sich an jeglicher Art von Gewalt zu beteiligen, was bedeutete, dass sie keinen Militärdienst leisteten und sogar nicht einmal Steuern zahlten, die zu Kriegszwecken verwendet werden würden. Es überrascht nicht, dass dies den Adel verärgerte. Sie weigerten sich auch, ihre Babys zu taufen und wiesen auf ihre kürzlich übersetzte deutschsprachige Bibel als Zeugnis hin, dass Gläubige als Erwachsene getauft werden sollten. Dies verärgerte sowohl katholische als auch protestantische Kirchenvertreter.

Hauptsächlich wegen dieser beiden Konfliktpunkte mit der Mainstream-Gesellschaft, wurden die Täufer von einem Königreich zum nächsten gejagt, Gemeinschaften wurden gegründet, mussten dann alles zurücklassen und weiterziehen. Sie breiteten sich nach Deutschland, Österreich, den Niederlanden, Mähren (heute Teil der Tschechischen Republik) und darüber hinaus aus und übten sogar Einfluss auf die Baptisten aus, die gerade in England entstanden waren. Aufgrund der andauernden Verfolgungen zogen große Gruppen von Täufern nach Nordamerika: zuerst die Amischen und Mennoniten im 18. Jahrhundert und später die Hutterer im 19. Jahrhundert. Unterdessen führten die missionarischen Bemühungen (insbesondere der mährischen Brüder und der Mennoniten) die Täufer an die entferntesten Winkel der Erde.

Wie also haben die frühen Täufer die Welt verändert? Nun, wir können ihnen dafür danken, dass sie die Erwachsenentaufe wiederentdeckt haben (die inzwischen auch von vielen protestantischen Kirchen praktiziert wird), wir können ihnen für die Idee der Religionsfreiheit danken, die für Christen aller Konfessionen und auch für Menschen anderer Glaubensrichtungen wichtig geworden ist, und wir können ihnen dafür danken, dass sie die Idee der christlichen Gewaltfreiheit wiederentdeckt haben. Wir können ihnen dafür danken, dass sie darauf bestanden haben, dass das Gewissen wichtiger ist als das Gesetz des Landes, dass sie den Mut hatten, Mode abzulehnen und einfache Kleidung zu tragen, dass sie christliche Gemeinschaften auch für Familien bildeten, nicht nur für alleinstehende Männer und Frauen, dass sie zeigen, dass es wirklich möglich ist, ein Leben zu führen, in dem alles geteilt wird, wie in der Apostelgeschichte beschrieben. All diese Dinge haben die Welt mehr verändert, als wir uns vorstellen können, und sie wirken auch heute noch fort.

Neben der Verbreitung dieser großen und wichtigen Konzepte haben sich die Täufer auch einige sehr schöne bodenständige Ideen ausgedacht. Dazu gehören die Scheunen der Amischen, farbenfroh gemusterte Steppdecken und der schöne Herrnhuter Stern, außerdem die Einsicht, auch ohne Kirchengebäude Gemeinde sein zu können, und die Idee, Gottesdienste unter freiem Himmel, in „Gottes Dom“, abzuhalten.

Was hätte Conrad Grebel wohl gesagt, wenn ihm jemand gesagt hätte, dass sein Handeln in fünfhundert Jahren Christen im vom Krieg zerrissenen Afrika inspirieren würde, trotz Verfolgung standhaft zu bleiben? Er hätte wahrscheinlich gesagt: „Lobet den Herrn!“

Wenn ihr also das nächste Mal gefragt werdet, ob ihr Katholik oder Protestant seid, dann könnt ihr erklären, dass es noch eine andere Möglichkeit gibt. Vielleicht kommt ein interessantes Gespräch dabei heraus.

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Über den Autor

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Donal McKernan

Donal McKernan lebt mit seiner Frau Cornelia und zwei Kindern auf dem Danthonia-Bruderhof in New South Wales, Australien.

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