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Die letzten Christen

Interview mit Andreas Knapp

10. Oktober 2017 von

Beschädigtes Kirchengebäude im Nahen Osten

Vor einiger Zeit habe ich Andreas Knapps Buch „Die letzten Christen“ gelesen. Er beschreibt darin die Verfolgung und Vertreibung der orientalischen Christen aus dem Irak, Syrien und der Türkei. Tief traurig, erschütternd und beeindruckend zugleich. Beeindruckend, weil er kein Blatt vor den Mund nimmt und die Dinge einfach beim Namen nennt – und an der Nächstenliebe festhält.

Später hatte ich die Gelegenheit, ihn in Leipzig zu treffen und mit ihm über die Christen im Nahen Osten, Flüchtlinge in Deutschland, Christenverfolgung und Ähnliches zu sprechen.

Hier ein paar gekürzte Auszüge aus dem Interview:

Du hast kürzlich „Die letzten Christen“ veröffentlicht. Wie ist es zu dem Buch gekommen?

Andreas Knapp: Wenn man konkret Menschen erlebt, die Familienmitglieder verloren haben, wo von Al Kaida einer Frau der Ehemann entführt und ermordet wurde, wo ein Kind ermordet wurde, weil es zu einer christlichen Familie gehört … dann geht einem das sehr unter die Haut. Mich hat es erschüttert, ich habe mich gefragt, wieso habe ich davon so wenig gewusst? Und so habe ich mich auf Spurensuche gemacht, habe mit den verschiedenen Familien gesprochen, mir ihre Geschichte erzählen lassen. Darum ging es mir, dass diese Geschichte so wichtig ist, dass sie aufgeschrieben werden muss. Das darf nicht einfach wieder vergessen werden. Vielleicht haben wir im Westen, auch die verschiedenen westlichen Kirchen, vielleicht haben wir das Schicksal der orientalischen Kirchen zu lange nicht wahrgenommen – oder zu wenig wahrgenommen. Und so hatte ich diesen inneren Antrieb: Ich möchte das aufschreiben, möchte diese Geschichten festhalten.

Das Thema Christenverfolgung kommt in den Medien und in der Öffentlichkeit fast nicht vor. Warum ist das so?

Das ist für mich auch eine große Frage. Das ist fast wie ein Tabu-Thema. Vielleicht liegt das an unserer säkularen Gesellschaft, dass man sowieso das Christentum schon fast abgeschrieben hat, es kommt ja nur wenig Positives über das Christentum in den Medien, wenn, dann sind es irgendwelche Skandale oder Aufreger, die dann auf die Titelseiten kommen, aber die positive Geschichte und den Wert des Christentums für unsere Gesellschaft, der findet in den Medien wenig Raum. Christenverfolgung ist, glaube ich, für säkulare Medien kein wichtiges Thema. Es gibt bestimmte kirchliche Gruppen, die immer wieder auch versucht haben, die Öffentlichkeit aufmerksam zu machen, aber die werden dann auch schnell als Randgruppen stigmatisiert und man nimmt es nicht ernst.

In deinem Buch beschreibst du Grausamkeiten, die von islamistischen Extremisten an Christen verübt werden – gibt es nicht da auch eine Sorge, dass dadurch ein Hass auf alle Muslime geschürt werden könnte?

Man muss die Wahrheit sagen und sich dann trotzdem nicht zum Hass verleiten lassen, sondern einen Weg der Versöhnung und Liebe gehen. 

Ich halte es für wichtig, dass man dem ins Auge sieht, was wirklich passiert, denn das Augen-verschließen und Kaschieren von geschichtlicher Wirklichkeit hat nur dazu geführt, dass dieses Fürchterliche weitergehen konnte. … Es ist eine Erfahrung, dass dort, wo man sich seiner eigenen Wahrheit nicht stellt, einen das Schlimme wieder einholt. Deswegen halte ich es für ganz wichtig, das zu benennen – in aller Ehrlichkeit. Dass das nicht zu Hass führen muss, das kann man von den Christen aus dem Orient lernen, denn das sind die Opfer, und sie haben sich nicht zum Hass verleiten lassen. Sie sind es, deren Angehörige ermordet wurden, die Genozide hinter sich haben und die trotzdem nicht aufgerufen haben zu Rache und zu Hass. Sie wollen die Wahrheit und Gerechtigkeit, aber nicht Hass. Ich kann nur darüber staunen, wie das möglich ist. Aber diese Christen sagen: „Das ist doch vom Evangelium her vorgegeben.“ Man muss die Wahrheit sagen und sich dann trotzdem auch durch schreckliche Wahrheiten nicht zum Hass verleiten lassen, sondern muss versuchen, mit den anderen wieder ins Gespräch zu kommen, einen Weg der Versöhnung zu gehen, einen Weg der Liebe zu gehen.

(Es lohnt sich, das ganze Interview zu lesen!)

Meine Begegnung mit Andreas hat mich in der Hoffnung bestärkt, dass es einen Weg gibt jenseits von politisch korrekter Wirklichkeitsverleugnung einerseits und hasserfüllter Abwehr andererseits: Dass wir den Mut haben, der Wahrheit ins Auge zu sehen und sie auch klar zu benennen, weil uns die Kraft gegeben wird, sie mit Liebe und Vergebung zu beantworten.


Daniel Hug lebt mit seiner Familie auf dem Darvell-Bruderhof in England.

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