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Menschliche Liebe reicht nicht aus – deswegen haben wir Ostern

22. März 2018 von

Es gibt eine jüdische Legende, die wunderbar warmherzig, aber auch verwirrend ist. Sie spielt auf dem Berg Morija, wohin Abraham ging, um seinen Sohn zu opfern und wo später der Tempel gebaut werden würde. Die Geschichte geht so:

Es waren einmal zwei Brüder, die das Land ihres Vaters erbten. Die Brüder teilten das Land in zwei und jeder bewirtschaftete seinen eigenen Teil. Die zwei Brüder lebten auf zwei Seiten eines Berges. Einer von ihnen war reich, hatte aber keine Kinder, und der andere hatte viele Kinder, allerdings war er arm.
Der reiche Bruder dachte: „Ich habe so viel und mein Bruder hat so wenig. Ich will mitten in der Nacht heimlich den Berg überqueren und meinem Bruder etwas von meinem Getreide bringen.“ Der arme Bruder dachte sich: „Ich habe so viel Freude an meinen Kindern, dass ich meinem Bruder etwas Getreide bringen möchte, so dass er sich darüber freuen kann.“
Und so ging es Nacht für Nacht. Jeder der Brüder überquerte heimlich den Berg und brachte seinem Bruder Nahrungsmittel. Jeden Morgen würden die Brüder ihre Vorräte überprüfen und zu ihrer Überraschung feststellen, dass sie genauso groß waren wie am Abend zuvor. Keiner der beiden konnte sich dieses Phänomen erklären, aber sie dankten Gott für seine Güte und setzten ihre jeweiligen Hilfsaktionen fort.
Dann geschah etwas: Anstelle unbemerkt aneinander vorbei zu schleichen, begegneten sie sich auf dem Berg. Überrascht schauten sie sich an aber sie erkannten einander im fahlen Mondlicht zunächst nicht. Dann merkten beide plötzlich gleichzeitig, was die ganze Zeit vor sich gegangen war. Sie umarmten sich und weinten vor Freude.

Ich liebe diese Geschichte.  Es liegt so viel Güte, Anstand und Hoffnung darin. Wenn das Herz von Liebe erfüllt ist, ist keine Tat zu gering und kein Opfer zu groß, um die Not des anderen zu lindern. Die Liebe leitet zur rechten Tat, sie siegt.

Image of hills in Israel

Aber so schön die Geschichte auch ist: Irgendetwas stimmt nicht so ganz. Warum mussten die beiden Brüder denn überhaupt ihr Land teilen? Warum mussten sie überhaupt etwas als ihr Eigen besitzen? Und warum haben sie nur ihre eigenen Felder bestellt, jeder für sich allein – und dazu noch auf zwei entgegengesetzten Bergseiten?

Könnte es sein, dass in unserer Welt menschliche Liebe einfach nicht ausreicht? Kann es sein, dass menschliche Liebe nicht weit genug geht und nicht weit genug gehen kann, um die Kluft zu überbrücken, die uns voneinander trennt?

Deshalb brauchen wir Ostern. Denn beim Ostergeschehen geht es um Gottes Liebe, nicht um menschliche Liebe, und es geht darum, was Gott tun kann. Christi Triumph am Kreuz hat nicht nur die Macht des Todes zerstört, sondern auch die Geburt einer völlig neuen Ordnung bewirkt. (Eph 1,3-7) Der Tod Christi hat die Versöhnung aller Dinge in Gang gesetzt. Alles, was uns von Gott und voneinander trennt, alles, was uns auseinanderbringt und -hält, wird am Fuß des Kreuzes überwunden. Eine neue Menschheit ist geboren. (Eph 2,11-22)

Menschliche Liebe reicht nicht aus, um die Kluft zu über­spannen, die uns von­ein­ander trennt. Deswegen brauchen wir Ostern. Beim Oster­ge­scheh­en geht es nicht um mensch­liche, sondern um Gottes Liebe.

Ostern ist mehr als eine Geschichte über ein leeres Grab. Es geht um ein Wunder, das auf dem Berg Morija geschehen ist. Das Wunder geschah, als der auferstandene Christus seinen Geist über die Erde ausgeschüttet hat. Der Prophet Joel hatte vorausgesagt, dass das geschehen würde und Jesus hatte es seinen Jüngern versprochen. Nachdem Jesus auferstanden war, passierte etwas, was nicht von dieser Welt war. (Apg 2-4) Die Liebe Gottes brachte zusammen, was wir durch unseren sturen Hochmut immer wieder auseinanderbringen. Anstelle von „meinem Feld“ und „deinem Feld“ vereinte Jesu Geist, was wir dummer- und traurigerweise trennen. Jesu Nachfolger, überwältigt von der Kraft des Heiligen Geistes, fingen an, alles miteinander zu teilen. Ja, alles. Sie waren eins.

Das ist, was die Liebe Gottes kann. Sie legt die Axt an die Wurzel unseres Egoismus und befreit uns, so dass wir unser Leben einschließlich unseres Besitzes miteinander teilen können. Das Leben auf dem „Berg des Herrn“ ist ein Leben in Gemeinschaft. Eine neue Weise, wie Menschen zusammen leben können, wird ermöglicht. Wir sind befreit von dem Zwang, etwas besitzen zu müssen. Anstelle eines Lebens, das sich um „ich“ und „mein“ dreht, sind wir jetzt dazu ermächtigt, in Freude, Einheit und Gemeinschaft zu leben. Wir können wirklich wie Brüder und Schwestern füreinander da sein. Was für ein unglaubliches Vermächtnis! Wir können nicht nur miteinander teilen, sondern sogar auf derselben Seite des Berges leben.


Finde heraus, warum wir kein Privateigentum haben, sondern alles miteinander teilen.


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Charles E. Moore

Charles E. Moore

Charles E. Moore lebt mit seiner Frau und seiner Tochter in Esopus im US-Bundesstaat New York, wo er an der Mount Academy...

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  • You have brought up a very good details , thankyou for the post.

    Smithb894