Jesusnachfolge

Warum ich ein Kopftuch trage

2. August 2016 von

Ich war schon in vielen Städten und Dörfern, in Restaurants und Regenwäldern in den USA, Australien und Europa. Überall bin ich neugierig angeschaut worden. Der Grund dafür ist, dass ich ein Kopftuch und einen langen Rock trage – und dabei meistens die Hand eines Mannes halte.

Norann walking with her husband and two of their sons

Wir haben vor fast achtzehn Jahren geheiratet und gehen gerne Hand in Hand spazieren. Indem ich die Hand von Chris halte, verkünden wir freudig, dass wir zusammen gehören. Und durch unsere Kleidung machen wir hoffentlich genauso deutlich, dass wir zu Jesus gehören – oder zumindest, dass wir nicht mit jeder Mode mitgehen.

Ich habe aufgehört zu zählen, wie oft ich schon durch meine Kleidung und mein Kopftuch die Gelegenheit hatte, anderen von meiner Hoffnung zu erzählen, und zu bezeugen, wie sehr ich Jesus liebe. Das gehört zu den Vorteilen, die man genießt, wenn man anders aussieht.

Natürlich gibt es viele Leute, die „normale“ Kleidung tragen, und viel mutiger als ich auf andere zugehen und ihnen die Gute Nachricht von Jesus weitersagen. Ich will also nicht behaupten, dass ich ein besserer Mensch bin, weil ich meinen Kopf bedecke und selbstgenähte Röcke trage, oder dass ich dadurch eine Freikarte in den Himmel bekomme.

Warum mache ich das also? Kopfbedeckung und Anständigkeit haben von Anfang an bei den Nachfolgern Jesu für Diskussionen gesorgt. Der Apostel Paulus, den ich dafür bewundere, dass er – wie Jesus – großen Respekt für Frauen hatte, schreibt an Timotheus: „Auch sollen die Frauen sich anständig, bescheiden und zurückhaltend kleiden; nicht Haartracht, Gold, Perlen oder kostbare Kleider seien ihr Schmuck, sondern gute Werke; so gehört es sich für Frauen, die gottesfürchtig sein wollen.“ (1. Tim 2,9-10) Und an die Kirche in Korinth: „Eine Frau aber entehrt ihr Haupt, wenn sie betet oder prophetisch redet und dabei ihr Haupt nicht verhüllt.“ (1. Kor 11,5)

Ich weiß, ich weiß: Christinnen auf der ganzen Welt laufen Sturm gegen diese Worte. Mir ist auch klar, dass ein kleiner Blog Post das nicht ändern wird. Deswegen will ich hier ganz klar sagen, dass, auch wenn diese Bibelstellen mich inspiriert haben, mein Wunsch, meinen Kopf zu bedecken, meiner eigenen Überzeugung entspricht und nicht nur vom Lesen der Bibel oder der frühen Kirchengeschichte kommt. Und die Antwort auf die Warum-Frage ist eigentlich auch ganz einfach:

Ein Kopftuch zu tragen und einfach gekleidet zu sein gibt mir das Gefühl befreit zu sein. Für mich ist es kein Zeichen von Unterdrückung, sondern von Freiheit.

Freiheit in dem Sinne, dass meine Beziehung zu meinem Schöpfer stimmt und dass mein ganzes Leben ein Gebet sein kann. (Ganz nebenbei: Ich gehe jeden Morgen still und betend ungefähr 20 Minuten zu meinem Arbeitsplatz. Ich freue mich an der Heiligkeit von Gottes eigenem Haus mit dem gewaltigen blauen Himmel, der sich über mir wölbt und den Zebrafinken, die unablässig von den Zäumen herabzwitschern. Das sind Minuten, die ich dem Spiegel gestohlen habe. Ich trage kein Makeup und muss mich nicht mit Kleidungs- und Frisurproblemen quälen, bevor mein Tag anfangen kann.)

Freiheit auch vom Vergleichen, dem ewig lauernden Dieb der Freude, weil ich weder nach modischen Kriterien beurteilt werde, noch durch mein Auftreten anderen Frauen das Gefühl gebe, weniger wert zu sein.

Und – was für ein Segen – die Freiheit, Beziehungen zu anderen Männern klar und eindeutig zu halten, und damit letztlich auch frei davon zu sein, zum Objekt gemacht zu werden. Mit anderen Worten: indem ich mich so kleide und verhalte, wie es meinem Frausein am meisten gerecht wird, hoffe ich auch, Männer dazu zu bringen, sich wie wahre Männer zu verhalten.

Wie man einen Tempel von außen schmückt, um seine Bedeutung zu betonen, so ist auch meine Bekleidung etwas, das weiht. Sie drückt etwas aus.

Bewahrung.

Bestimmung.

Durch das Tragen meines Kopftuches mache ich der sichtbaren und der unsichtbaren Welt gegenüber klar, dass ich zu Gott gehöre.

Trotzdem hat mein Kopftuch mich nie von anderen Menschen getrennt oder mich daran gehindert, echte und tiefe Freundschaften mit vielen beeindruckenden Frauen und Männern auf der ganzen Welt zu schließen.

Sie wissen, dass es für mich nichts mit Frömmelei oder Perfektionismus zu tun hat – sondern eine Erinnerung an die Gnade, die mich jeden Tag umhüllt. Sie respektieren mich, weil sie wissen, dass diese Art mich zu kleiden mir einfach ein großes Gefühl des Friedens und der Zugehörigkeit vermittelt.

Zugehörigkeit zu Gott.

Und, als verheiratete Frau, Zugehörigkeit zu einem wunderbaren Mann.

Wenn ich mein Haar bedecke, sage ich, dass meine Frisur nicht zählt, sondern mein Geist, mein Herz und mein Charakter. Wenn ich meinen Körper bedecke, sage ich, dass mein Vertrauen nichts mit Mode oder Fitness zu tun hat, sondern aus der tiefen Gewissheit stammt, dass ich wertvoll bin, gerade so wie ich bin, nicht wie ich aussehe. Ein Kopftuch zu tragen drückt aus, dass ich es nicht nur hinnehme, sondern liebe, genau die Frau zu sein, als die Gott mich geschaffen hat. Und ich glaube, dass ich, indem ich mich zurückhaltend und respektvoll kleide, auch anderen helfe, mir mit Respekt zu begegnen.

Trotzdem schauen Leute mich neugierig an und manchmal gibt es auch Kommentare wie: „Du siehst gut aus.“ oder „Deine Kleidung hat etwas Friedvolles.“ Aber immer, immer gibt es fantastische Fragen und ich nutze die Gelegenheit, den Menschen zu erzählen, warum ich mich so kleide.

Ich schätze jede dieser Fragen, aber eines werde ich am häufigsten gefragt: „Musst du das anziehen?“

Bei dieser Frage klingt durch: „Ist das wirklich deine freie Entscheidung?“ Ich verstehe, warum sie das fragen, wirklich; besonders weil ich Mitglied einer Gemeinschaft bin, in der alle Frauen diesen einfachen „Stil“ tragen.

Die Antwort ist: Nein, ich werde zu nichts gezwungen. Ich trage, was ich trage, weil ich mich selbst so entschieden habe. Aus den oben genannten Gründen. Und so, dass meine drei Söhne sehen können, dass Jesu Liebe und die tiefe Liebe und Anerkennung meines Mannes alles sind, was ich brauche, um mich ganz und vollkommen zu fühlen.

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Norann Voll portrait

Norann Voll

Norann Voll hat im New Yorker Hudson Valley gelebt, bis sie 2002 zum Danthonia-Bruderhof in Australien (New South Wales)...

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