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Im Vertrauen

30. August 2019 von

Es war eigentlich nur eine kleine Dummheit gegen Ende des Sommers. Eine Handvoll Jungs, die sich vor ein paar Tagen abends noch am Schwimmbereich des Maple-Ridge-Bruderhofs aufhielten, beschlossen, eine neue Sportart auszuprobieren: Eine Rettungsweste um ein Fahrrad wickeln, damit es nicht sinkt, sich draufsetzen und mit größtmöglicher Geschwindigkeit auf (und über) das Sprungbrett fahren.

Ihr Publikum, zu dem auch ich gehörte, waren meist Saunagänger am Ende desselben Teichs. Es dauerte nicht lange, bis wir anfingen, Ratschläge zu geben, die Kontrahenten anzufeuern (oder auszubuhen) und die Vorgänge zu filmen, um sie mit euch teilen zu können.

Als ich dem Spektakel zusah, kam mir in den Sinn, dass ich schon unzählige Male davon gehört hatte, dass jemand einen Schritt „im Vertrauen“ wagt. Hier wurde es buchstäblich wahr. „Was für ein Zeugnis!“, dachte ich mir.

 
Im Ernst: Ob ihr gerade alles einpackt und umzieht (so wie meine Frau und ich es gerade zum x-ten Mal machen), ob ihr in einem neuen Job anfangt (wie wir), wieder in die Schule geht oder zum ersten Mal Arbeit sucht und euch fragt, wozu ihr berufen seid, ob ihr eine Freundschaft oder eine Beziehung abbrecht, heiratet oder in Ruhestand geht – was auch immer – den ruhigen Hafen des Vertrauten verlasst und auf den nächsten Abschnitt des Lebens hinaussegelt, es ist immer ein Risiko dabei. Mit anderen Worten, es erfordert den Sprung ins Unbekannte mit all seinen Möglichkeiten und Gefahren. Dieser Sprung erfordert Vertrauen.

Mir kam in den Sinn, dass ich schon unzählige Male davon gehört hatte, dass jemand einen Sprung „im Vertrauen“ wagt. Hier wurde es buchstäblich wahr.

Wie die meisten religiösen Klischees ist auch das Gerede von dem Sprung, den man im Vertrauen auf Gott tut, so abgedroschen, dass es einem schnell auf die Nerven gehen kann. Und doch ist es eine gute Metapher für etwas Unvermeidliches, das in jedem Leben vorkommt, oft viele Male. Aber genug gepredigt.

Wie mein kleines Video zeigt, gibt es viele unterschiedliche Situationen, in denen Vertrauen zum Tragen kommt. Manchmal machen wir eine gute Figur. Manchmal trägt es uns weiter als gedacht. Oder es wird ein peinlicher Reinfall. Egal wie lange gefackelt wird und wie sehr man in sich geht, wenn es soweit ist, geht immer etwas schief.

Wenn ihr Glück habt, werden die Worst-Case-Szenarien und die Beinahe-Katastrophen (wie an dem Abend geschehen) für die Nachwelt aufgezeichnet. Aber ein Sprung ist ein Sprung. Und egal unter welchen Umständen, oder wer zusieht, es gibt nur eine Sache, die man danach tun kann, besonders wenn man in tiefem Wasser landet. Schwimmen oder untergehen.

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Über den Autor

Chris and Bea Zimmerman

Chris Zimmerman

Chris Zimmerman und seine Frau Beate leben in Holzland, einer Bruderhof-Hausgemeinschaft in der Nähe von Jena.

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