Leben in Gemeinschaft

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Leben in Gemeinschaft

Im Gedenken an Verena Donata Arnold, geb. Meier

21. September 2018 von

„‚Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, mit ganzer Hingabe und mit deinem ganzen Verstand.‘ Das ist das erste und wichtigste Gebot. Ebenso wichtig ist aber ein zweites: ‚Liebe deinen Mitmenschen wie dich selbst.‘ Alle anderen Gebote und alle Forderungen der Propheten sind in diesen beiden Geboten enthalten.“ –Matthäus 22,37-40

Mutter und Großmutter zu sein bedeutete für sie keine Beschränkung auf diejenigen, mit denen sie biologisch verwandt war. Hunderte von uns haben sie geliebt und werden sie vermissen. Auf dem Woodcrest-Bruderhof ist am frühen Morgen des heutigen Tages Verena Arnold, die Witwe von Johann Christoph Arnold, friedlich von uns gegangen. Sie war 80 Jahre alt. Vorausgegangen war ihr mutiger, fünf Jahre langer Kampf mit einer Krebserkrankung.

Verena Arnold and her husband Johann Christoph

Verena war am 16. Mai 1938 in Cirencester, England, geboren worden. Ihr Ehemann Johann Christoph Arnold, der dem Bruderhof als Prior und Seelsorger gedient hatte, war am 15. April 2017 gestorben. Christoph und Verena hatten 1966 verheiratet und waren mit über fünfzig glücklichen Ehejahren gesegnet worden. Sie hatten acht Kinder (alle verheiratet): Emmy Maria und Michael Blough, Heinrich und Wilma Arnold, Margrit und Reuben Zimmerman (Margrit starb 2015 im Alter von 45 Jahren), Verena und Raymond Hofer, Annemarie und Timothy Keiderling, Hanna und Chris Rimes, Chris und Estelle Arnold und Priscilla und Andrew Zimmerman. Sie waren sehr stolz auf ihre 44 Enkel und sechs Urenkel, einschließlich Stephanie Jean Rimes, einer Enkeltochter, die 2008 im Alter von einem Monat starb.

Verena wuchs in einer Familie mit zwölf Kindern auf. Vor ihr gestorben sind ihre vier älteren Brüder Klaus, Andreas, Hans-Jörg und Daniel und eine Schwester, Maria, die als Säugling starb. Überlebt wurde sie von sechs ihrer Schwestern: Hannabeth, Lydia, Priscilla, Ita, Agathe und Anna-Regula. Ihre Eltern, Hans und Margrit Meier, kamen aus der Schweiz und traten 1933 in Deutschland dem Bruderhof bei, unmittelbar vor Hitlers Machtergreifung. Die Gemeinschaft wurde durch die Nationalsozialisten unterdrückt, mehrmals von der Gestapo gestürmt und musste 1937 schließlich aus Deutschland fliehen. Verenas Vater Hans wurde von den Nazis drei Monate lang inhaftiert, bis er wie durch ein Wunder entkommen und in England wieder zu seiner Familie stoßen konnte. Dort wurde Verena geboren. Als der zweite Weltkrieg begann, waren die Bruderhöfer als Ausländer in England nicht mehr willkommen und emigrierten nach Paraguay in Südamerika – das einzige Land, das sich erboten hatte, die Flüchtlinge aufzunehmen.

Verena war erst zwei Jahre alt, als ihre Mutter mit sechs kleinen Kindern an Bord des Schiffes ging, von dem sie hoffte, dass es sie zu ihrem nach Südamerika vorausgereisten Mann bringen würde. Die Eltern mussten tropische Krankheiten und viel Not erleiden, aber es gelang ihnen, Wohnhäuser, einen landwirtschaftlichen Betrieb und ein Missionskrankenhaus aufzubauen, während sie ihre elf Kinder großzogen. Verena verbrachte eine glückliche Kindheit in Paraguay. In späteren Jahren erzählte sie gerne von ihren Abenteuern im Dschungel, von Affen, Schlangen, Straußen und anderen exotischen Tieren und Ungeziefer. Als die Schwester ihrer Mutter an einer Blinddarmentzündung starb, nahm ihre Familie deren acht Kinder auf, so dass in diesem Haushalt 19 Kinder lebten. Als älteste Tochter musste Verena wie eine zweite Mutter sein.

1961 wanderte Verena in die USA ein. Sie verliebte sich in einen gutaussehenden jungen Mann, Johann Christoph, und im Mai 1966 heirateten die beiden auf dem Woodcrest-Bruderhof in Rifton im Staat New York. Obwohl ihre Familie größer wurde, stand sie ihren Mann treu zur Seite, als er den Dienst eines Seelsorgers auf dem Bruderhof antrat. Sie war stets die größte Unterstützerin der Berufung und Verantwortung ihres Mannes. Später, als ihre Kinder älter waren, begleitete sie ihn auf Missionsreisen nach Europa, Afrika, Australien, Mittel- und Südamerika, den Nahen Osten und Asien. Gemeinsam arbeiteten sie unermüdlich daran, Jesu Evangelium der Vergebung und Versöhnung zu verbreiten. Obwohl sie nur bis zur sechsten Klasse eine Schule besucht hatte, war sie die beste Lektorin der elf Bücher ihres Mannes und fand auch die kleinsten Fehler.

Wir werden ihren Mut, ihre Offenheit, ihre Kühnheit, ihre Energie und ihren Humor nie vergessen. Immer wenn sie Traurigkeit oder Ärger spürte, grüßte sie mit ihrem charakteristischen, fröhlich-herausfordernden Aufruf: „Haltung!“ Dank bezog sie nie auf sich selbst und Komplimente wehrte sie ab, indem sie nach oben zeigte und meinte: „Alle Ehre gebührt Gott!“

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