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Leben in Gemeinschaft

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Leben in Gemeinschaft

Kinder in Gemeinschaft

2. November 2017 von

Kyle war Jugendpastor der Gemeinde, in der ich ein Praktikum machte. Er hatte eine Leidenschaft dafür, Jesus zu dienen, besonders im Einsatz für die Armen. Meine Leidenschaft war die Gemeinschaft, das gemeinsame Ausleben der Lehren Jesu mit gleichgesinnten Gläubigen. Mit einigen anderen beschlossen wir, gemeinsam in den Bezirk Capitol Hill in Denver zu ziehen – die Gegend, wo es die meisten Obdachlosen gibt – und uns zu einer Lebensgemeinschaft zusammenzutun. Auf diese Weise wollten wir versuchen, das Hereinbrechen des Reiches Gottes sichtbar zu machen.
Kyle und seine Frau Katie hatten bereits ein Kind. Dann kam ein weiteres. Unsere Innenstadt-Gemeinschaft wuchs. Ein stetiger Strom von Leuten in den Zwanzigern, sowohl Singles als auch junge Ehepaare, stieß zu uns. Unser eines Zweifamilienhaus erweiterte sich schließlich auf mehrere Häuser in derselben Straße. Wir teilten Wohnraum, Autos und Essen miteinander. In dieser aufregenden Anfangszeit waren wir mit vielen Ungewissheiten konfrontiert, die unseren Glauben und unseren Mut auf die Probe stellten. Wir lernten, wie man gemeinsam lebt und wie man denen, die von der Gesellschaft ignoriert werden, die verändernde Liebe Christi bringt.

Ich habe später etwas gelernt, was ich damals noch nicht wusste: Was für Kinder gut ist, ist auch für die Gemeinschaft gut.

 Zwei Jahre später verließen Kyle und Katie die Lebensgemeinschaft. Grund war unter anderem, dass sie ihr drittes Kind erwarteten. Als einzige Familie mit Kindern fühlten sie sich fehl am Platz. Dann kündigte sich bei Rick und Heather ihr erstes Kind an, und auch sie wollten wegziehen und näher bei Ricks Familie sein. Wir waren traurig darüber, hatten aber Verständnis – es lag irgendwie in der Natur der Dinge, dachten wir. Indessen schlossen sich uns mehr Singles an. Dann heiratete Jay und zog in einen Vorort, der eine bessere Umgebung für eine junge Familie bot. Es dauerte nicht lange, bis sich unsere Gemeinschaft zerstreute. Irgendwie passten Lebensgemeinschaft und Familie nicht zusammen. Schließlich lösten wir uns auf.

Heute lebe ich seit über dreißig Jahren in Lebensgemeinschaften. Was ich in Denver erlebt habe, ist kein Einzelfall. Seit damals habe ich andere getroffen, die sich am gemeinschaftlichen Leben versucht haben, aber frustriert aufgaben und wieder gingen, als Kinder kamen. Die Gemeinschaft und das Familienleben fügten sich einfach nicht zusammen. Zeitpläne ließen sich nicht überein bringen, Kinderbetreuung war ein knappes Gut, Prioritäten verschoben sich, und das radikale christliche Leben war irgendwie nicht mehr möglich.

a young boy throwing a large handful of leaves straight towards the camera

Viele Jahre später lebten meine Frau und ich in Albany, New York, in einer ähnlichen Umgebung wie damals in Denver. Unser großes viktorianisches Haus befand sich direkt an einer belebten Durchgangsstraße in einem der heruntergekommensten Viertel der Stadt. Diesmal jedoch mischten sich in unserer Gemeinschaft Leute im höheren, mittleren und jungen Alter. Es waren Ehepaare und Singles dabei, und auch Kinder jeden Alters. Im Haus quirlte das Leben, es ging drunter und drüber, aber wir waren zugleich entschlossen zu einem Leben konsequenter Jüngerschaft. Einige von uns arbeiteten in unserer gemeinschaftlichen Beschilderungsfirma, während andere im nahegelegenen Krankenhaus arbeiteten, zur Schule gingen oder sich ehrenamtlich bei christlichen Werken in der Umgebung engagierten.
Es war ein intensives Leben. Dennoch gab es diesmal keine Konflikte zwischen unserem gemeinschaftlichen Leben und dem Familienleben. Ich hatte etwas gelernt, was ich damals in Denver noch nicht wusste: Was für Kinder gut ist, ist auch für die Gemeinschaft gut. Im Rückblick glaube ich, ein Grund dafür, dass unsere Gemeinschaft in Denver auseinanderfiel, war der, dass wir mit unserer erwachsenen Hochgestochenheit zu „kopflastig“ waren. Wir litten unter einer aus Hochmut geborenen Unfreiheit, analysierten unsere Probleme zu Tode und versuchten, im Namen der Relevanz avantgardistisch und hip zu sein. Kindlich zu sein war nicht cool. „Radikal“ sein schon.

Eberhard Arnold: „Es ist das Kind, das uns zum Evangelium führt.“

Hätte es mehr Kinder bei uns gegeben und hätten wir uns entschlossen, etwas von ihnen zu lernen, so hätten sich unsere verwickelten Bedenken vielleicht verflüchtigt. In Albany habe ich diese Wahrheit am eigenen Leib erfahren. Statt lange, zähe Versammlungen abzuhalten, um gegenseitig unseren Mist zu verarbeiten und jede Entscheidung aus allen nur möglichen Blickwinkeln zu betrachten, waren wir Erwachsenen viel damit beschäftigt, zu singen, zu tanzen, zu spielen, Streiche zu verüben, Geschichten vorzulesen und auf Wanderungen zu gehen, die für alle zu schaffen waren. Durch die Einfachheit, die sie einforderten, wiesen uns die Kinder in unserem Haus auf Jesus hin. Auch unsere Begegnungen mit Nachbarn und Freunden fühlten sich auf einmal ganz anders an: Sie waren schlichter und freundlicher und beruhten mehr auf Gegenseitigkeit und Partizipation. Oft schafften es die Kinder, selbst aus den Verzagtesten das in ihnen verborgene kindliche Juwel zum Vorschein zu bringen. 
Je mehr wir die Kinder in unserer Gemeinschaft mit einbezogen, desto mehr Freude hatten wir. Sie wollten im Haus Nachlauf spielen oder im Park gegenüber Bälle kicken oder den Osterhasen jagen. Es war egal, ob ihre Spiele unter den Augen der Pendler oder der Betrunkenen und psychisch Kranken abliefen, die ständig vor unserem Haus entlanggingen. Waren das nicht alles einfach nur Leute, die Gott liebte?
Das soll nicht heißen, dass wir ein stressfreies Leben hatten. Die Sicherheit der Kinder war ein heikles Thema, und die Kinderbetreuung war eine riesige Aufgabe. Paare brauchten Zeit für sich. College-Studenten kamen manchmal erst spät abends nach Hause. Auch in der Nachbarschaft gab es dringende Not, die unsere Aufmerksamkeit verlangte. Aber wenn eine Sache dafür sorgte, dass wir zentriert blieben und uns einen einfachen Glauben mit klarem Fokus bewahrten, dann waren es die Kinder. Und zumindest nach meiner Erfahrung ist eine Gemeinschaft, in der Kinder und Familien an erster Stelle kommen, bereitwilliger und großzügiger dabei, anderen zu dienen.

a man at the Beech Grove Bruderhof reading aloud to a group of children and adults

„Es ist das Kind, das uns zum Evangelium führt“, schreibt Eberhard Arnold. In der Großzügigkeit und Hilfsbereitschaft der Kinder, in ihrer natürlichen Fröhlichkeit und sogar in ihrer Ungezogenheit können wir die Freiheit erleben, wir selbst zu sein. Und oft besitzen Kinder einen unerschütterlichen Glauben. Jesus sagt ganz klar, welche Rolle Kinder in seinem Reich spielen: „Wenn ihr nicht werdet wie die Kinder, so werdet ihr nicht ins Himmelreich kommen.“ Das vergessen wir allzu leicht, oder schlimmer noch, wir wehren uns dagegen. Die Jünger empörten sich darüber, dass so viele Kinder zu Jesus gebracht wurden. Wenn wir ehrlich sind, tun auch wir unter dem Deckmantel des Dienstes für die Sache Jesu oft zu beschäftigt, um Kindern Aufmerksamkeit zu schenken.
Eine Gemeinschaft, die auf das Reich Gottes ausgerichtet ist, wird Familien nicht nur Raum geben, sondern sie hegen und pflegen. Ja, das kostet Mühe. Manchmal sehr viel Mühe! Die Gemeinschaft, in der ich zurzeit lebe, befindet sich in einem ehemaligen katholischen Seminar. Das Gebäude ist riesig und voller langer, hallender Flure. Die Unterkünfte liegen direkt am Hauptflur, mit Ausnahme der Eckwohnungen. Kürzlich beschlossen wir, ringsum die Quartiere zu tauschen. Ehrlich gesagt, es war purer Stress. Jedoch konnten so Familien mit kleinen Kindern in die größeren Eckwohnungen ziehen, wo die Kinder nicht so leicht gestört werden. Diese einfache Änderung hat unseren Kindern geholfen, friedlicher und seltsamerweise auch kontaktfreudiger zu werden. Der Raum, den sie und ihre Eltern jetzt haben, lässt sie aufblühen. Wenn man sich um Kinder richtig kümmert, dann schenken sie allen in ihrer Umgebung Freude. Wenn Kinder willkommen sind, wenn sie Möglichkeiten bekommen, die Gemeinschaft an ihrer wunderbaren Natur teilhaben zu lassen – indem sie zum Beispiel von einem besonderen Erlebnis erzählen oder ein Lied vorsingen, das sie gelernt haben –, dann steckt ihre Fröhlichkeit alle an. Das ist etwas, das vielen Lebensgemeinschaften fehlt. Ihre Mitglieder arbeiten hart, kümmern sich um andere, richten ihr Leben an hohen Prinzipien aus, gehen große Risiken ein und bringen große Opfer, erleben aber dennoch nie vollkommen die Freude eines miteinander geteilten Lebens.

Eine auf Chris­tus ausgerich­tete Gemein­schaft ist auf einen kind­lichen Geist an­ge­wie­sen. Was gut für die Kinder ist, ist gut für die Gemein­schaft.

Wenn es uns nicht gelingt, Kindern Raum und Zeit zu geben, wenn wir vergessen, die Bedürfnisse von Familien zu berücksichtigen, dann laufen wir Gefahr, aus den Augen zu verlieren, wie Gott auf Erden regiert. In Gottes Reich sind die „Geringsten“ die Größten. Jesu Warnung an jeden, der einen dieser Kleinen zum Straucheln bringt (Matthäus 18,6-9), ist äußerst ernst. Er sagt weiter, dass die Engel, die gesandt sind, um Kinder zu beschützen, „allezeit das Angesicht meines Vaters im Himmel“ sehen. So wichtig nimmt Gott jedes Kind und ob es wirklich willkommen geheißen und geliebt wird. Eine Gemeinschaft muss alles daransetzen, um eine Atmosphäre zu bewahren und zu fördern, in der Kinder im Glauben wachsen können. Wenn nicht, tut es dem Reich Gottes Abbruch.
Eine auf Christus ausgerichtete Lebensgemeinschaft ist auf einen kindlichen Geist angewiesen. Was gut für die Kinder ist, ist in der Tat gut für die Gemeinschaft. Alles, was diesen kindlichen Geist bedroht – seien es unsere Gespräche, die Musik, die wir hören, die Filme, die wir uns anschauen, die Rituale, die wir vollziehen – ist verderblich. Wenn wir das Reich Gottes auf Erden sichtbar machen wollen, werden wir Kinder nicht nur mit offenen Armen aufnehmen, sondern wir werden sie hegen und pflegen und von ihnen lernen. Denn in ihnen offenbart sich die reine Liebe Gottes.

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Charles E. Moore

Charles E. Moore

Charles E. Moore lebt mit seiner Frau und seiner Tochter in Esopus im US-Bundesstaat New York, wo er an der Mount Academy...

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