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Landwirtschaft in einer Zeit des Klimawandels

20. Juni 2019 von

Heute möchte ich einen Teil eines Interviews vorstellen, das mein Mann Chris mit Danthonias Farmmanager Johannes Meier geführt hat. Hoffentlich weckt dieser Auszug dein Interesse, das gesamte Interview zu lesen. Es ist ein umfassender Überblick darüber, was wir über regenerative Landwirtschaft gelernt haben und welche Schritte wir unternommen haben, um unser Land zu heilen – und warum der Bruderhof es als einen entscheidenden Aspekt des gemeinsamen Lebens betrachtet, sich um das Land zu kümmern.

Johannes: Meine Familie zog im November 2004 auf den Danthonia-Bruderhof, als die Auswirkungen der Trockenperiode, die als Australiens Jahrtausenddürre bekannt werden würde, bereits schmerzhaft spürbar waren. Die Trockenheit wurde immer gravierender und dauerte bis Herbst 2010. Sie brachte uns dazu, intensiv darüber nachzudenken, wie wir eigentlich mit unserer Landschaft umgingen. Ich war ursprünglich aus England gekommen, wo der Regen eher ein ständiger Begleiter als ein ersehnter Segen ist. Umso ungewöhnlicher war es für mich, dass ich nun in ständiger Hoffnung auf das Geschenk des Regens immer wieder nach Westen schaute und Tag für Tag, Monat für Monat, Jahr für Jahr die Wolken beobachtete. Wenn es dann gelegentlich doch einmal regnete, reagierte das Land jedoch kaum – so gravierend war sein Zustand inzwischen.

Der Danthonia-Bruderhof in der DürreperiodeDer Danthonia-Bruderhof im Jahr 2000

Dann trocknete 2007 unser Bach aus. Es ist ein schönes Bächlein, das von Weidenbäumen gesäumt durch eine breite Talaue am Fuße des Swan Peak, des markanten Wahrzeichens von Danthonia, fließt. Nie werde ich diesen Anblick vergessen: die mit Algen überzogenen letzten Wasserreste, die vielen toten Fische – Goldbarsche, Tauwelse und Dorschbarsche, einige bis 80 Zentimeter lang –, die erodierten, abbröckelnden Ufer … der versiegte Wasserstrom. Zwei Jahre später geschah es noch einmal, nur gab es diesmal keine toten Fische mehr. Sie waren schon alle weg. Ich weiß noch, wie ich dachte: „Das kann nicht richtig sein. Was tun wir hier eigentlich?“

Inmitten der Dürre traten wir also in einen mühsamen Prozess ein, der uns zu der Erkenntnis führte, wie wir unsere Landschaft retten und wieder mit Leben und Gesundheit füllen konnten.

Mitglieder des Danthonia-Bruderhofes beim Pflanzen von BäumenBäume pflanzen in Danthonia

Aber weil die meisten von uns erst in dieses Land gekommen waren, mussten wir alle lernen, dieses Land mit seinen Eigenheiten zu lieben und uns um es zu kümmern: Bäume zu pflanzen, Rückhaltebecken für Wasser zu schaffen und die Speicherung von Kohlenstoff einzuleiten. Unsere Kinder waren ein aktiver Teil dieser Regeneration und trugen dazu bei, die Tausenden von Bäumen, die heute auf dem Grundstück gedeihen, zu vermehren, zu pflanzen und zu pflegen. Johannes fährt fort:

In Australien gibt es eine Tradition: Öffentliche Zusammenkünfte werden mit einem „Welcome to Country“ begonnen. Dabei würdigt eine indigene Person die „traditionellen Hüter“ des Landes, auf dem die Zusammenkunft stattfindet, und zollt den Ältesten der Vergangenheit und Gegenwart Respekt. Wir haben versucht, uns dieses Konzept des Hütens – also des Bewahrens einer Landschaft, damit wir sie an zukünftige Generationen in einem besseren Zustand weitergeben können, als wir sie übernommen haben – zu eigen zu machen.

Dass wir uns um dieses Land kümmern, spiegelt schlicht unseren Wunsch wider, Christus treu zu dienen, der die Blumen auf dem Feld, die Spatzen, die Kinder liebt; der sich der Kranken und Bedürftigen erbarmt; dessen Herz mit den Mittellosen und Geknechteten schlägt.

In Wahrheit ist das, was wir in Danthonia tun, um das Land zu schützen, gar nicht so eine große Sache. So begeistert ich auch von den Schritten bin, die wir unternehmen, und der Art, wie die Natur darauf reagiert, ist dies doch nur ein kleiner Teil dessen, warum wir das Leben in der Gemeinschaft gewählt haben. Wir sind dazu berufen, in der Nachfolge Christi zu leben und seinem Weg so gut wir können zu folgen. Dass wir uns um dieses Land kümmern, spiegelt schlicht unseren Wunsch wider, Christus treu zu dienen, der die Blumen auf dem Feld, die Spatzen, die Kinder liebt; der sich der Kranken und Bedürftigen erbarmt; dessen Herz mit den Mittellosen und Geknechteten schlägt. Das beflügelt unsere Bemühungen, in Verbundenheit mit unseren Mitmenschen zu leben und sie zu verstehen, insbesondere unsere Aboriginal-Brüder und -Schwestern. Charles Massy, dessen Buch Call of the Reed Warbler jedem, der über regenerative Landwirtschaft nachdenkt, empfohlen sei, formuliert das treffend: „Erst wenn wir uns mit den ersten Einwohnern des Landes und mit dem Land selbst ausgesöhnt haben, können wir ‚ankommen‘ und wirklich zu diesem Kontinent gehören.“

Ein Teich auf dem Danthonia-Bruderhof im australischen Bundesstaat New South Wales, seitdem regenerative Landwirtschaft den Boden und die Landschaft wiederhergestellt hatDanthonia im Jahr 2015

Bei der regenerativen Landwirtschaft geht es letztlich darum, wieder zu der Aufgabe zurückzukehren, die Gott Adam und Eva im zweiten Kapitel des 1. Buch Mose übertragen hat: uns um die Erde zu kümmern, die Gott als seinen Garten schuf. Wir müssen bescheiden beginnen und anerkennen, dass wir als westliche Verbraucher am globalen ökologischen Desaster, das die industrielle Landwirtschaft verursacht hat, mitschuldig sind. Die Märkte werden von Gier und Nachfrage bestimmt – und entfremden uns von der Art und Weise, die Gott für unser Leben vorgesehen hat. Die Landwirtschaft bleibt viele Antworten schuldig, aber ich glaube aufrichtig, dass ihr ein enormes Potenzial zur Regenerierung unserer Welt innewohnt.

Wir Landwirte brauchen Empathie für das Land und für die Tiere; für unseren Nachbarn nebenan; für alle, die an anderen Orten hungern; für zukünftige Generationen; für alles, was Gott geschaffen hat. Nicht nur unsere Köpfe und Hände, sondern auch unsere Herzen müssen arbeiten.

Vor Kurzem kamen mir die Worte des Propheten Jeremias in den Sinn, der in schwierigen Zeiten lebte. „So spricht der Herr: ‚Tretet hin an die Wege und schaut und fragt nach den Wegen der Vorzeit, welches der gute Weg sei, und wandelt darin, so werdet ihr Ruhe finden für eure Seele‘.“ (Jer. 6:16)

Wir müssen also nur die Wege erkennen, nach dem alten und guten Weg suchen und dann in diese Richtung gehen.

Die Weiden des Danthonia-BruderhofsDanthonias Weiden im Jahr 2017

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Norann Voll

Norann Voll hat im New Yorker Hudson Valley gelebt, bis sie 2002 zum Danthonia-Bruderhof in Australien (New South Wales)...

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