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Worum geht es bei Ostern?

17. April 2020 von

man in a tree
Simon sitzt in seinem Ausguck im Baum und denkt über Ostern nach.

Letzte Woche lief ich an Wolken von Kirschblüten, springenden Lämmern und glücklichen Kindern vorbei und hörte Wildgänse über mir. Irgendwie fällt mit dem Osterfest alles andere weg: Viren, Schießereien, das Getöse von Politikern, die Spannungen in der Familie, Konflikte mit Nachbarn, Ängste und Befürchtungen – alles wird ersetzt durch Osterfreude, Osterhoffnung, Osterfreiheit!

Nach den Gänsen sah ich zu, wie ein Schmied seinen Amboss aufstellte, um die Pferde zu beschlagen. Ich fragte mich, warum er diese Arbeit macht – schmutzig, stinkend und schlecht bezahlt. Ich kam zu dem Schluss, dass wir irgendwann im Leben von dem Wunsch überwältigt werden, unseren Lebensunterhalt ehrlich zu verdienen. Die Gesellschaft drillt uns darauf hin, schnell Geld zu machen (also Reichtum anzuhäufen, den man nicht verdient hat), und so leben wir „Leben in stiller Verzweiflung“, um Thoreau zu zitieren, und fragen uns, wann wir entlarvt werden.

Was hat das aber mit Ostern zu tun? Es ist irgendwie miteinander verbunden, auch wenn es mir schwer fällt, die es in Worte zu fassen. Vielleicht die Bereitschaft, Opfer zu bringen? Das Fehlen der Sorge, die immer mit der Frage einhergeht: „Was springt für mich dabei heraus?“ Loyalität und Glaube im Angesicht von Schmerz und Not? Ostern ist nicht besonders wegen einer Kreuzigung; die Römer haben diese öffentliche Todesfolter regelmäßig durchgeführt.

Kirschblüten

Nein, ich glaube, Ostern ist etwas Besonderes, weil jemand diese Folter ertragen hat, ohne der Verzweiflung oder Bitterkeit zu erliegen. Stattdessen bietet er bis zum Ende Vergebung, Liebe und Hoffnung. Er ist absolut loyal und treu durch all die Folterungen und falschen Anschuldigungen hindurch und ist im Triumph auferstanden, um in alle Ewigkeit zu leben und zu regieren. Vielleicht ist das das Besondere an Ostern?

Nachdem ich den Schmied passiert habe, treffe ich auf Dwight, der unter normalen Umständen Lehrer ist. Er reißt invasive Unkräuter aus, hackt invasive Sträucher ab und entfernt sie rund um die gepflanzten Pekannuss-, Dattelpflaumen- und Papayabäume. Ich habe selten jemanden gesehen, der so hart und so fröhlich gearbeitet hat, zerkratzt wie ein Krieger nach der Schlacht. Arbeit wird zum Spiel, wenn es keinen Druck gibt. Dwight wollte keine Maschinen benutzen, und so kann er die Vögel und von fern das Spielen der Kinder hören. Er kann sogar die Jubelrufe aus der ganzen Welt und durch die Jahrhunderte hindurch hören: „Hosanna für den Sohn Davids!“ Es hilft ihm, die Dornen zu ignorieren.

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Über den Autor

Simon Mercer

Simon Mercer

Simon Mercer ist Tischler, Schweißer und Gärtner. Er lebt auf dem Maple Ridge-Bruderhof.

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