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Brexit, Baby!

14. Februar 2019 von

Da dies mein erster Beitrag im neuen Jahr 2019 ist, werde ich gleich zur Sache kommen. Die lustigen kleinen Wohlfühl-Posts über Kinder und Tiere müssen warten: 2019 liegt vor mir wie eine neu aufgeworfene Furche, und ich will mich zur frischen Erde niederbücken und mich mit beiden Händen voll von sich windenden Würmern wieder aufrichten. Brexit, Baby! Was bedeutet das für dich? Was sollte die christliche Antwort sein? Spielt es überhaupt eine Rolle?

Es ist interessant, wie schnell wir urteilen, wie gut wir denken, dass wir andere und ihre Motive verstehen, ohne jemals mit ihnen zu sprechen; wie selektiv wir Beweise sammeln, um unsere Ansichten zu untermauern. Als jemand, der die britische Politik in den letzten zehn Jahren mit großem Interesse verfolgt hat (eines der vielen Eigenschaften, die ich mit Churchill und Boris Johnson teile: ich habe eine doppelte Staatsbürgerschaft), habe ich noch nie eine Zeit größerer Unsicherheit oder Gespaltenheit erlebt. Brexit ist zum bestimmenden politischen Thema in Großbritannien geworden, und beide Lager haben sich verschanzt und bewerfen sich mit faulen Eiern, angefeuert von Leuten wie Steve Bannon bis hin zur guten alten New York Times.

Zwei Männer, die um Geld miteinander kämpfen.

Ich habe beim Referendum 2016 meine Stimme abgegeben und nein, ich werde nicht sagen, wofür ich gestimmt habe. Wir haben in unserer Gesellschaft vielleicht keinen vernünftigen politischen Diskurs mehr, aber der Idee einer geheimen Abstimmung werde ich bis zum letzten festhalten.

Für mich ist die einzig wirklich wichtige Manifestation meines Glaubens meine Beziehung zu den Menschen um mich herum.

Aber was mich wirklich interessiert ist Folgendes: Als Großbritannien von zwei Jahren über Brexit abgestimmt hat, waren beide Lage etwa gleich stark. Egal wofür man gestimmt hatte, es war klar, dass die Hälfte des Landes dagegen war. Ich will mich hier mal weit aus dem Fenster lehnen und behaupten, dass nicht jeder, der für einen Verbleib Großbritanniens in der EU gestimmt hat, einer kosmopolitischen Elite angehörte, die sich dazu verschworen hat, das Konzept von Nationalstaaten generell abzuschaffen. Ebenso könnte man argumentieren, dass nicht jeder, der für den Brexit gestimmt hat, dies getan hat, weil er ein saudummer rassistischer Fremdenfeind war.

Meine christlichen Freunde aus der sozialen Gerechtigkeit/Anti-Starbucks Ecke scheinen eine Schwäche dafür zu haben, gute Sachen und hohe moralische Werte verbal zu unterstützen und sich lautstark über Politiker zu äußern, die diese Werte ihrer Ansicht nach nicht ausreichend verkörpern. Ich sage nicht, dass das grundfalsch ist, aber es ist nicht gerade ein Heldenstück, wenn man dafür selbst kein Risiko eingehen muss. Und ich frage mich, wie viele von ihnen sich mit Taxifahrern, Imbissbudenbetreibern und Müllmännern (und ich sage mit Absicht „Männer“) unterhalten. Für mich ist die einzig wirklich wichtige Manifestation meines Glaubens meine Beziehung zu den Menschen um mich herum. So wie die Dinge stehen glaube ich, dass eine freundliche Unterhaltung mit jemandem, der meine Ansichten nicht teilt, tausendmal wichtiger ist als zusammen mit jemandem, der meiner Meinung ist, den Zustand der Welt zu bejammern.

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Über den Autor

IanBarthHorizontal

Ian Barth

Ian lebt auf dem Darvell-Bruderhof in East Sussex (England) mit seiner Frau Olivia und vier Söhnen.

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