Welt

Die Covid-19-Müdigkeit überwinden

Der zwischenmenschliche Kontakt

5. März 2021 von

Von anderen Menschen isoliert zu sein, ist nicht OK. Ich bin nicht die Einzige, die mit der Isolation, die zur neuen Normalität geworden ist, einfach fertig ist. Viel mehr Menschen aus meinem Bekanntenkreis sind durch Einsamkeit infiziert worden als durch Covid. Die Auswirkungen der Isolation haben die psychische und emotionale Gesundheit der Menschen stark beeinträchtigt. Was wir getan haben, um uns gegenseitig vor Covid zu schützen, hat uns am Ende voneinander Isoliert – und die „Covid-Müdigkeit“ ist jetzt eine Tandem-Epidemie.

Das hat auch viele Mitglieder meiner Gemeinschaft alarmiert. Wir begannen, nach Wegen zu suchen, wie wir gegen diese Covid-Müdigkeit, die unsere Miteinander angreift, in die Offensive gehen können. Nun, ich bin Krankenschwester. Ich möchte mein Augenmerk auf die wirklichen Ursachen für die Covid-Müdigkeit richten, und wie wir sie dann sicher bekämpfen können. Und hier ist die Ursache, die ich gesehen habe: Der zwischenmenschliche Kontakt ist abgerissen.

Mollie bei der Verabreichung einer Dosis des ImpfstoffsMollie bei der Verabreichung einer Dosis des Impfstoffs. Februar 2021.

Wie die meisten wissen, ist Vitamin C wichtig, um das Immunsystem gesund zu erhalten und Viren etc. abzuwehren. Was vielleicht nicht so bewusst ist, ist die ebenfalls lebenswichtige Natur des „anderen“ Vitamin C, wie ein Arzt es nennt – Vitamin „Connect“. „Connect“ heißt „Verbinden“, wie in „zwischenmenschlicher Verbindung“. Ohne echte, nicht-elektronische Verbindung zu anderen Menschen, werden wir durch Einsamkeit, Angst und Stress geschwächt, dies ist auch bekannt als Covid-Müdigkeit. Forscher erkennen diese Dinge tatsächlich als Gesundheitsrisiko an. Schaut selbst nach!

Dieser Gedanke, „menschliche Verbindung als Präventivmaßnahme“, brachte mich dazu, nach Möglichkeiten zu suchen, die Verbindungen zwischen einsamen Menschen zu stärken. Dann kam ein Anruf von der Gesundheitsbehörde meines Wohnbezirks.

Es wurden so schnell wie möglich freiwillige Helfer für das Impfzentrum benötigt. Die erste Ladung des Covid-Impfstoffs war auf dem Weg! Das war die Gelegenheit, nach der ich gesucht hatte: echte Menschen, die echten Menschen helfen – das ist mein Ding!

Zusammen mit anderen medizinischen Fachkräften, Leuten mit bürotechnischen Fähigkeiten und zusätzlichen Hilfskräften vom Bruderhof, meldete ich mich an. Am nächsten Tag machte ich mich auf den Weg, um in einem nahe gelegenen Impfzentrum mitzuhelfen.

Es war unglaublich! Der ganze Platz vibrierte vor Freude und Energie. Teamwork und Kameradschaft zwischen dem Personal, einschließlich einiger eher unwahrscheinlicher Verbündeter, waren erstaunlich. Jeder war da, um für andere da zu sein – so viele andere Freiwillige mit den unterschiedlichsten Hintergründen und Lebenserfahrungen. Keiner beschwerte sich über die langen Arbeitszeiten, das schnelle Tempo oder die unangenehmen Bedingungen im Impfzentrum.

Jeder der Tausenden von Impfkandidaten – Rentner, Feuerwehrleute, Polizisten, Lehrer, Mitarbeiter des Gesundheitswesens – war froh, dabei zu sein, auch wenn einige zugegebenermaßen ängstlich waren. Aber die Kooperation der Patienten war so hoch wie nie zuvor. Alle waren wirklich glücklich.

Unvergesslich ist mir die ältere Dame, um die neunzig Jahre alt, die dem eiskalten, windigen Wetter trotzte, um sich impfen zu lassen. Sie wurde von zwei jungen Freiwilligen freundlich zu meiner Station begleitet. Bevor sie sich hinsetzte, bedankte sie sich bei allen, die in Hörweite waren, dafür, dass sie sich Zeit von der Arbeit genommen und ihre normalen Tätigkeiten unterbrochen hatten, um dabei zu sein. „Ihr habt keine Ahnung, was das für mich bedeutet. Ich kann mich nicht erinnern, jemals so glücklich gewesen zu sein. All diese Leute zu sehen; mit Leuten zu reden. Wissen Sie, seit März letzten Jahres bin ich in meinem Haus geblieben. Ich bekam Lieferungen und habe telefoniert, aber es war so schrecklich einsam. Ich konnte es kaum noch aushalten. Ihr seid alle Engel!“ Sie setzte sich schluchzend hin. Der Schmerz, den die Trennung von anderen Menschen verursacht hatte, war deutlich zu spüren. Die Heilung konnte nun beginnen, da sie wieder von Angesicht zu Angesicht mit anderen Menschen Kontakt haben und in Verbindung sein konnte, wenn auch nur kurz und hinter einer Maske.

Freiwillige Helfer in einer Klinik in Orange County, NY, vor einem von Mitgliedern des Bruderhofs gemalten WandbildFreiwillige Helfer in einer Klinik in Orange County, NY, vor einem Wandbild, das von Mitgliedern des Bellvale-Bruderhofs gemalt wurde; Mollie ist die zweite von links. Februar 2021.

Während ich impfte hörte ich unendlich viele Geschichten: von Isolation, von der Trauer über den Verlust geliebter Menschen, vom Leiden allein im letzten Jahr. Sie alle hatten das Bedürfnis, nicht nur die Impfung zu erhalten, sondern eine menschliche Verbindung zu erleben.

Nach der Impfung wurden die Patienten für fünfzehn Minuten zur Beobachtung in einen Ruheraum geschickt. Aber die meisten mussten schließlich wieder hinausgeführt werden, weil ihre fünfzehn Minuten längst vorbei und der Platz begrenzt war. Sie waren so glücklich, einfach zusammen zu sein und zu plaudern, dass die Zeit wie im Fluge verging. Normalerweise wartet niemand freiwillig länger als nötig! Das habe ich noch nie erlebt.

Fröhliches Geplänkel und herzliches Lachen unter den Masken wurde der Funke, der uns anspornte weiterzuimpfen. Elfhundert Impfungen später waren wir körperlich erschöpft, aber innerlich erfrischt. Durch die Freude, die wir durch den gemeinsamen Einsatz für unser Land gewonnen hatten, war das Leben wieder ein bisschen in Ordnung. Wir hatten einen Sieg errungen! Wir hatten Covid und der Covid-Müdigkeit eins ausgewischt. Die Menschen waren geimpft worden und hatten zueinander gefunden.


Mollie Voll lebt mit ihrem Mann Hans auf dem Foxhill-Bruderhof in Walden, New York.

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