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Der Bruderhof im Licht der radikalen Reformation

7. November 2017 von

Viele Kirchen waren in den letzten Wochen damit beschäftigt, 500 Jahre Reformation zu feiern. Leider bedeutet das auch, dass viele von ihnen, ohne es zu wollen, eine Kirchenspaltng gefeiert haben. Deshalb haben sich Christen verschiedener Strömungen letzte Woche in Wittenberg zusammengetan, um auf „die Beseitigung von Spannungen zwischen Nachfolgern Jesu, die Heilung des durch Jahrhunderte der Feindschaft entstandenen Schadens und die Vertiefung der wiedervereinten Unterschiedlichkeit.“ hinzuarbeiten. Nach vorbereitenden Treffen, die sich über mehrere Jahre verteilten, war das Treffen letzte Woche in Wittenberg der Höhepunkt und Schlusspunkt dieser Anstrengungen auf eine neu formierte und wieder vereinigte Kirche hin.

people singing together around a campfire

DIe Veranstalter von Wittenberg 2017 hatten den Bruderhof eingeladen, sich zu beteiligen. Hier ist ein Auszug aus der Ansprache, die Chris Zimmerman dort über das Thema „Täufertum heute“ gehalten hat:

Es gibt in diesem Jubiläumsjahr eine Tendenz, auf das Jahr 1517 zurückzublicken, um noch eine weitere Facette der Reformation zu beleuchten. Ich bin selbst sehr an Geschichte interessiert, und es gibt unendlich viele faszinierende Aspekte. Aber was bedeutet das alles für uns heute? Eberhard Arnolds Geniestreich bestand in seiner Bereitschaft, sich nicht nur mit dieser Frage auseinanderzusetzen, sondern auch mit den Antworten zu leben – oder, besser noch: sie wirklich in die Tat umzusetzen. Obwohl er ein brillanter Akademiker war, reichten ihm Ideen und Analysen nicht aus, ebenso wenig wie die rückblickende Untersuchung von radikalen Lebensentwürfen. In seinem Suchen wagte er es, nach vorne zu schreiten.
...
Das bringt uns zurück ins Jahr 2017 und zu den folgenden Fragen: In welcher „babylonischen Gefangenschaft“ würden uns die Reformer heute vorfinden? Zu welchem Grad verrät unsere Versklavung durch Denkmuster und Anspruchshaltung der Mittelschicht (gute Ausbildung, Urlaub usw.) unsere wahren Loyalitäten und Prioritäten? Welche Götzen unserer Zeit – Konsum, Sex, Infotainment, Technologie – drohen uns, die Christen von heute, tagtäglich unfrei zu machen? Wo liegt unsere wirkliche Sicherheit in einer Zeit der Instabilität und des rasanten Wandels – ähnlich wie bei Luther.
Die Geschichte zeigt, dass Reformen selten bei den Institutionen anfangen. Sie zeigt, dass die Erneuerung, die die Kirche braucht, immer wieder von den Rändern und den Graswurzeln her kommt. Dazu ein Gedanke von Oscar Romero: „Was die Welt braucht … sind Menschen, die das Risiko auf sich nehmen, allem zu entsagen und nur Gottes Gerechtigkeit und Liebe zu suchen. Sie braucht Menschen der ewigen Hoffnung, Menschen, die keinem Pessimismus verfallen und nicht zulassen, dass weltliche Sorgen ihren Glauben in ewige Ideale erstickt.“ Er fährt fort, noch mehr auf den Punkt kommend: „Was die Welt braucht, sind Christen, die ihre Taufe in die Praxis umsetzen, die ihrer Berufung treu bleiben. So viele von uns sind de facto getaufte Heiden, und wir müssen uns selbst und uns gegenseitig aufrütteln, um aus den Gewohnheiten herauszukommen, die uns in diesem Zustand zu halten drohen.“
In anderen Worten, wir brauchen – jeder von uns braucht – eine Revolution des Herzens, um zu dem zurückzukehren, was der Autor der Offenbarung die „erste Liebe“ nennt, so dass wir als Arbeiter im Weinberg Christi zu Mitschöpfern bei der Errichtung seines Reichs des Friedens, der Liebe und der Gerechtigkeit auf dieser Erde werden können. Damit wir Frucht tragen können.
Es wird teuer für uns werden. Die Märtyrer der radikalen Reformation, die in die Geschichte eingegangen sind, haben das vor 500 Jahren bewiesen, ebenso die ersten Mitglieder meiner Gemeinschaft, des Bruderhofs. Viele von ihnen waren ihr ganzes Leben lang heimatlos und zahlten einen hohen persönlichen Preis: auf der Flucht vor Verfolgung und Krieg oder bei dem Versuch des Wiederaufbaus nach verheerenden internen Krisen. Aber, wie Jesus selbst gesagt hat: „Wer sein Leben erhalten will, der wird’s verlieren; wer aber sein Leben verliert um meinetwillen, der wird’s finden“ – im Überfluss und in Ewigkeit.
Ein solches Leben muss kein ferner Traum sein. Es ist uns schon jetzt verheißen – heute – wo immer auch nur eine Hand voll Menschen in Frieden und Liebe zusammenkommen, miteinander und mit ihm versöhnt: „Wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, da bin ich mitten unter ihnen.“ In einer Welt voll apokalyptischer Katastrophen und Schrecken, in einer Welt, in der, wie die Evangelien voraussehend warnen, die Liebe vieler erkalten wird, bergen solche Worte eine große Hoffnung.

Hier ist Chris Zimmermans gesamter Vortrag.

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