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Die Benedikt-Option

31. Mai 2018 von

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Benedikt von Nursia (Ausschnitt des Buchcovers)

Vor Kurzem ist Rod Drehers „Benedikt-Option“ auf Deutsch erschienen: „Eine Strategie für Christen in einer nachchristlichen Gesellschaft“. Ich habe das Buch mit viel Interesse gelesen als es 2017 auf Englisch veröffentlicht wurde. Es beschreibt ziemlich drastisch, aber durchaus realistisch die Erosion des christlichen Glaubens und in Folge dessen der durch den christlichen Glauben geprägten Kultur in der westlichen Welt. Drehers Frage ist, etwas verkürzt formuliert: Wie können wir längere Zeit in einer aggressiv säkularistischen Umgebung überleben, ohne dass wir aus der Gesellschaft ausgeschlossen oder wir und unsere Kinder im Sinne eines relativistischen Progressivismus ideologisch indoktriniert werden?

Dreher meint, es stehe schlecht um das Christentum im Westen, und zwar dramatisch schlecht. Von außen bedrängt durch eine links-progressive Elite, von innen unterhöhlt durch moralisch-theologischen Deismus stehen wir gewissermaßen schon bis zu den Knien im Wasser und mokieren uns über jeden, der versucht, doch noch eine Art Arche zu bauen. Sein Vorschlag ist nicht, dass wir uns in die Berge zurückziehen und dort verschanzen sollten, sondern dass wir mit der uns umgebenden Kultur in Kontakt bleiben müssen, allerdings ohne uns und unsere Kinder an sie zu verkaufen.

Rod Dreher war einige Male beim Bruderhof zu Besuch. Er schreibt in seinem Blog: „Der Bruderhof hat sich intensiv mit der Benedikt-Option befasst. Nachdem ich einige Zeit bei ihnen war, wurde mir klar, warum. Der Bruderhof lebt schon seit fast 100 Jahren seine Version der Benedikt-Option.“ Dementsprechend freue ich mich natürlich, dass das Buch jetzt auf Deutsch erschienen ist.

Ein sehr lesenswertes Buch, auch wenn es sich konkret auf die USA bezieht. (Beispiel: Aufforderung zum Homeschooling.) Regt zum Nachdenken an.

Radio Horeb hat hier ein Interview mit dem Übersetzer Tobias Klein gebracht. Tobias bloggt hier, meistens höchst unterhaltsam.

Als die Benedict Option auf Englisch herauskam, hat Peter Mommsen vom Bruderhof ein Interview mit Rod Dreher geführt:

 

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  • Hallo Eduard. Wir wollen Nachfolge vor allem praktisch Leben. Theologie und Philosophie haben ihren Platz, aber man kann jahrelang über etwas theoretisieren, ohne es im eigenen Leben umzusetzen. Wir wollen die wichtigen Grundpfeiler des Glaubens einfach und praktisch umsetzen und uns in allem weiteren vom Geist Gottes leiten lassen. Echtes Herzens-Verstehen kommt oft erst durch die praktische Nachfolge, durch das unmittelbare Erleben dessen, um das Jesus uns bittet.

    Daniel
  • Auf der Suche nach der "Benedikt-Option" bin ich auf diese Seite gestoßen, und die Info über Eure Brüderhöfe fühlt sich richtig gut an! Jetzt aber zu meiner Meinung zu dem Buch: So wie ich es verstanden habe plädiert Rod Dreher darin dafür, den christlichen Glauben durch einen Rückbezug zu authentischer Tradition konsequent (in Gemeinschaft) zu leben. Das ist gut! Er fragt aber umgekehrt nicht, welchen "Dreher" (Achtung Wortspiel ;-) man der christlichen Tradition heute geben müsste, damit diese modernen Menschen auch authentisch erscheint! Wir haben heute im Westen einen rationalen Zeitgeist. Und ein rationaler Zeitgeist erfordert idealerweise eine möglichst rationale Religion, um von den Menschen angenommen werden zu können. In der Moderne geht es kaum noch um so ohne weiteres objektivierbare Glaubensinhalte, die automatisch von den "rechtgläubigen" Christen angenommen werden, sondern um die Selbstvergewisserung eines jeden Einzelnen. Genau an diesem Punkt offenbaren sich die grundsätzlichen Spannungen zwischen Tradition und Moderne, zwischen unhinterfragter "katechetischer" Akzeptanz und dem Zweifel eines skeptischen Zeitgeistes. Man denke nur an die unzähligen Vernunftstolpersteine in einem Gottesdienst... Die eigentliche Lösung liegt (wie immer) in der Mitte. Der nach moralischer und spiritueller Religion strebende moderne Mensch mag sich auf das Authentische seiner Tradition rückbesinnen, aber auch das Althergebrachte muss sich soweit möglich reformieren (wie bereits angedeutet v.a. im Sinne von: sich der Vernunft zugänglich machen), damit eine solche Benedikt-Option weitläufig umgesetzt werden kann.

    Eduard