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Ein Schritt weiter in Richtung Wiedervereinigung

17. Mai 2018 von

Ich war kürzlich mit meiner Familie wieder in Korea – das erste Mal seit zehn Jahren. Es war ein besonderes Erlebnis für uns. Wenige Tage nach unserer Rückkehr nach Hause begann das Gipfeltreffen zwischen Nord- und Südkorea. Auf dem ganzen Globus verfolgten Menschen, die sich nach Frieden auf der koreanischen Halbinsel sehnen, dieses historische Ereignis mit Staunen.

Das Erstaunlichste war für mich die Leichtigkeit, mit der Kim Jong-un die militärische Demarkationslinie (MDL) überschritt, die die beiden Nationen trennt, um Präsident Moon Jae-in zu treffen. Auf Kims Vorschlag hin überschritt auch Moon diese Linie. Diese Szene war ein Symbol dafür, dass diese Linie überwunden werden kann.

border between north and south Korea

Für mich, der ich noch vor wenigen Tagen auf koreanischem Boden gestanden hatte, fühlte es sich an, als stünde Korea vor einem gewaltigen Umbruch.

Meine Heimatstadt ist Pyeongchang. Als ich erfuhr, dass 2018 die Olympischen Spiele dort abgehalten würden, hatte ich die Hoffnung, dass es eine Olympiade des Friedens sein würde. Und nun haben sich die Staatsoberhäupter beider Nationen persönlich getroffen.

Drei Wochen lang war unsere Familie durch ganz Südkorea gereist, von der nördlichen Grenzregion in Kangwon-Do bis zur Insel Jeju vor der südlichen Küste. Oberflächlich sah das Land entspannt und friedlich aus. Wir haben auf unserer Reise viele Leute getroffen. Die meisten von ihnen wollen einfach nur in Ruhe ihr Leben leben. Aber siebzig Jahre Teilung sind ein Schmerz, der sich tief ins Mark des koreanischen Volkes eingegraben hat. Nicht jeder, den wir trafen, drückte es offen aus, aber ich spürte ihren Schmerz und ihr Verlangen nach wirklichem Frieden.

An der nördlichen Grenze passierten wir eine Sicherheitskontrolle, um Goseong Unification Observatory (Goseong Vereinigungs-Beobachtungsstelle). Als ich nach Norden über die Demilitarisierte Zone (DMZ) blickte, traten Tränen in meine Augen. Dort, direkt vor uns, lagen die Berge und Flüsse Nordkoreas ausgebreitet wie auf einem Gemälde. Vor uns ragte der majestätische Keumgang empor, der schönste Berg Koreas, dessen Ausläufer sich bis zum jadeblauen Ozean hin erstreckten.

Song Hoon and Soon Ok at Goseong Unification Observatory

Nahe der Küste konnte ich die Straße und die Eisenbahntrasse sehen, die die beiden Länder verbinden. Früher konnten Menschen hier frei hin und herfahren. Heute können nur Wind und Wolken, Vögel und Seewasser durch den Stacheldraht hindurch. Es tut weh, das zu sehen.

Wir verließen das Unification Observatory und gingen zum DMZ-Museum hinüber. Das Museum vermittelt stark das Gefühl von Koreas derzeitiger Situation als die einzige geteilte Nation, und es betont den Traum einer Wiedervereinigung. Hier hatten wir ein besonderes Erlebnis: Besucher können Karten mit ihren Friedenswünschen an einen “Friedensbaum” hängen. Ich schrieb auf meine Karte: „Ich hoffe auf Koreas Wiedervereinigung.” Meine Frau und mein Sohn schrieben auch Botschaften auf. Schon jetzt hängen an diesem Baum unzählig viele Karten. Der Anblick bewegte mich zutiefst. Ich hoffe, dass all das Verlangen, das auf diesen Karten ausgedrückt ist, unser Land bald zusammenbringen kann.

Authors son Habin puts note on Peace Tree

Auf unserer Reise haben wir viele Menschen getroffen, die auf die Wiedervereinigung hinarbeiten. Unter ihnen war Choe Chol-ho von der Balgun Nuri (Helle Welt) Gemeinschaft. Er ist zur Zeit auf einer einjährigen „Gebetspilgerschaft für Frieden und Leben“, um für Frieden in seinem Land zu beten. Von August bis Oktober dieses Jahres plant er, Pyongyang und den Paektusan an der nördlichen Grenze von Nordkorea zu besuchen.

Ich denke immer noch daran, was er mir gesagt hat: „Was Korea geteilt hält, sind Menschen, sonst nichts. Gott ist schon bereit für die Wiedervereinigung.“

Das koreanische Gipfeltreffen am 27. April war ein Schritt auf dem Weg zur Wiedervereinigung. Es war ein Wunder, eine Frucht all der Gebete, die über die ganzen Jahre hinweg aufgestiegen sind. Was aus menschlicher Sicht völlig unmöglich erscheint, ist für Gott möglich.

Damit dieser Wandel weitergehen kann, müssen wir Gott noch mehr vertrauen. Ich glaube an sein Wirken. Ich bete. Gott wird die Vereinigung Koreas herbeiführen.


Sung Hoon Park kommt ursprünglich aus Südkorea. Heute lebt er mit seiner Frau und zwei Söhnen auf dem Maple Ridge-Bruderhof in New York, USA.

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