Welt

Friedensstifter in Kriegszeiten

Stellungnahme zum Krieg in der Ukraine

4. März 2022 von

Son Make the World Better Place 1988  IvanValentyn Zadorozhny  WikiArt
Sohn, mach diese Welt zu einem besseren Ort, 1988 – Ivan-Valentyn Zadorozhny, geboren 1921 in Rzhyshchiv, Ukraine

"Warum toben die Nationen, und die Völker schmieden vergeblich Pläne?", fragte der Psalmist vor dreitausend Jahren (Ps. 2,1). Aus heutiger Sicht: Warum ist Wladimir Putins Russland in die Ukraine eingedrungen und führt einen Krieg, wie es ihn in Europa seit siebenundsiebzig Jahren nicht mehr gegeben hat? Was soll getan werden, welche militärischen Maßnahmen, welche Sanktionen, welche Anklagen wegen Kriegsverbrechen?

Es ist nicht an mir, diese Fragen zu beantworten. Die Antworten, die ein christlicher Pastor gibt, sollten Frauen und Männer auf Christus hinweisen und sie dazu aufrufen, das zu werden, was Jesus "Friedensstifter" nennt, die, wie er in der Bergpredigt sagte, "Söhne Gottes genannt werden" (Mt. 5,9)

Es ist jetzt dringend notwendig, dass wir uns der Aufgabe widmen, Friedensstifter zu werden und aus Krieg Frieden zu machen.

Ein Friedensstifter wird die Wahrheit sagen: Er oder sie wird das Böse mutig beim Namen nennen. Russlands Angriff auf einen souveränen Staat und insbesondere auf Zivilisten muss unmissverständlich verurteilt werden, und wir müssen uns an die Seite des ukrainischen Volkes stellen, indem wir uns weigern, diese Invasion als etwas Anderes zu bezeichnen als das, was sie ist.

Doch Worte allein schaffen keinen Frieden. Frieden ist keine Tugend, die man signalisieren kann. Er muss durch Taten der Liebe geschaffen werden.

Der unerschrockene Geist des ukrainischen Widerstands und der Aufruf von Präsident Zelensky an seine Unterstützer im Ausland, zu den Waffen zu greifen und als Teil der Internationalen Brigade der Ukraine gegen das russische Militär zu kämpfen, haben viele inspiriert. Als Christen fühlen auch wir uns aufgerufen, unser Leben für andere einzusetzen, „unser Leben für unsere Freunde hinzugeben“, wie Jesus lehrte.

Aber wie sollen wir nun auf diesen Moment reagieren? Zu welchen Handlungen soll uns dieser Impuls führen? Ich gehöre einer historischen Friedenskirche an, die sich seit über einem Jahrhundert der christlichen Gewaltlosigkeit verschrieben hat. Wir würden eher selbst sterben, um diejenigen zu schützen, die in Gefahr sind, aber wir sind überzeugt, dass wir nicht töten dürfen, um dies zu tun: Wir können nicht zu den Waffen greifen.

Jesu lehrt uns, dass Friedenshandlungen der Liebe entspringen. Die Liebe Jesu ist bedingungslos. Er richtet seine Taten der Liebe und des Mitgefühls zuerst auf die Armen, die Hilflosen und Schwachen aus, aber er verlangt dasselbe auch für unsere Feinde. Dies ist der schwierigste, aber wohl auch der wichtigste Teil des Friedensstifterseins.

Wir können aktiv werden, indem wir den Opfern dieses Krieges humanitäre Hilfe leisten, Flüchtlinge aufnehmen und Organisationen wie Save the Children und Samaritan's Purse unterstützen, deren Arbeit in diesen Bereichen bemerkenswert ist. Als Bürger können wir zur Deeskalation aufrufen, insbesondere angesichts der Gefahr eines Atomkriegs, der die Welt in eine Wüste verwandeln würde.

Die stärkste friedenstiftende Maßnahme ist das Gebet. Wir müssen für den Frieden beten. Die stärkste friedenstiftende Maßnahme ist das Gebet. Wir müssen für den Frieden beten. Wir müssen unsere Stimmen mit denen des Volkes Gottes in der Ukraine, in den NATO-Staaten, in Russland und in der ganzen Welt vereinen, um Gott zu bitten, diesen Schrecken zu beenden.

Wir tun nicht so, als ob wir keine Feinde hätten, aber wir wissen, was Jesus uns sagt, was wir für unsere Feinde tun sollen: Wir müssen sie lieben und für sie beten. Wir müssen dafür beten, dass Gottes Reich des Friedens auf diese Erde kommt, wie es im Himmel ist. Wir müssen an die Kraft dieses Gebets glauben.

Mein Urgroßvater, der deutsche Theologe Eberhard Arnold, lernte was Friedenstiften bedeutet, als er den Ersten Weltkrieg und dann die Kriegstreiberei des Dritten Reiches vor dem Zweiten Weltkrieg erlebte (er starb 1935). Er gründete die Bruderhof-Gemeinschaft mit der Vision, ein Leben in Frieden und Gerechtigkeit zu führen, basierend auf der Lebensweise, die Jesus in der Bergpredigt lehrte. Eberhard Arnold schrieb folgendes über die Macht des Gebets, auch um die internationale Politik zu beeinflussen:

Wenn unser Gebet echt ist, wenn wir wirklich nichts anderes wollen als das Reich Gottes, dann werden wir an alle Regionen der Welt denken. Wir werden zu Gott beten, dass Er in die Geschichte der Nationen eingreift, in die Geschichte der sozialen Klassen und Ränge, in die Geschichte, die die Ungerechtigkeit auf den Höhepunkt gebracht hat. Wir werden Ihn anflehen, mit Seinem Gericht zu kommen und Seine Gerechtigkeit und Seinen Frieden wie die Morgenröte anbrechen zu lassen. Dies sollte unser Gebet und das Gebet der Gemeinde sein. Lasst uns zu Gott kommen in der absoluten Gewissheit, dass die Worte Jesu wahr sind: "Das Reich Gottes ist nahe herbeigekommen!" (Aus: Eberhard Arnold - Das Gebet, das Gott erhört)

Wir sollten demütig sein und erkennen, dass wir nichts von dem wahren Frieden verstehen. Denn manchmal kommt der Friede Gottes auch mit oder trotz Gewalt und Leid. So musste Jesus am Kreuz Gewalt erleiden, um uns die Gewissheit der Vergebung und des ewigen Friedens zu geben.

Im vierundzwanzigsten Kapitel des Matthäus-Evangeliums erinnert uns Jesus daran: "Und ihr werdet von Kriegen und Kriegsgerüchten hören. Seht zu, dass ihr euch nicht erschreckt; denn es muss geschehen, aber das Ende ist noch nicht gekommen." Jesus, der Fürst des Friedens, ist der wahre Friedensstifter. "Den Frieden lasse ich euch", sagte er, "meinen Frieden gebe ich euch. Ich gebe ihn euch nicht, wie ihn die Welt gibt. Euer Herz erschrecke nicht und fürchte sich nicht" (Johannes 14,27).

Lasst uns ohne Furcht Friedensstifter sein, indem wir den Worten Jesu glauben, mutig für Wahrheit und Gerechtigkeit eintreten und in unserem täglichen Leben Taten der Liebe und Vergebung vollbringen. Lasst uns beten, dass Gott den Nationen und Völkern durch das Kommen Seines Reiches Frieden bringt.

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