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Kicken für Gemeinschaft

26. Juni 2017 von

Wer vor ein paar Tagen abends am Fußballplatz von Schöngleina bei Jena vorbeikam, muss sich über die Geräuschkulisse eines Fussballturniers in vollem Gang gewundert haben. Nicht, weil gespielt wurde – in dieser Ecke von Thüringen hat Fussball schon fast den Stellenwert einer Religion. Auch nicht wegen der lauten Geräusche, die Schreie, Pfiffe und das dumpfe Geräusch des Balles, der über den Rasen gekickt wird. Aber wer mehr als nur ein paar Momente zuhörte, dem mussten die Stimmen auffallen, die überhaupt nicht hierher zu passen schienen: Nicht nur Deutsch, sondern auch eine Gewirr anderer Stimmen: Französisch, Englisch, Farsi, Arabisch, Paschtu und mindestens drei andere afrikanische Sprachen schallten über den Platz.

Es klang so ganz anders als alle anderen Spiele, die jemals in diesem idyllischen 500-Seelen-Ort gespielt worden waren. Der Grund: Es war das erste Integrationsfußballturnier, das sich die Verantwortlichen einiger örtlicher Sportvereine ausgedacht hatten, unterstützt vom Deutschen Roten Kreuz und vom Bruderhof.

Teilnehmer des Integrationsfussballturniers von Schöngleina am Rand des Spielfeldes

Es kamen sieben Mannschaften aus der Gegend, davon fünf von Flüchtlingsunterkünften oder Heimen für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge. Insgesamt nahmen über hundert junge Männer mit fünfzehn verschiedenen Nationalitäten teil. In einer Metropole wie Berlin oder auch einer Universitätsstadt wie dem nahe gelegenen Jena ist das keine große Sache, aber in einem ländlichen Gebiet wie diesem, wo die Emotionen schnell hochkochen, wenn es um Flüchtlinge geht, noch dazu um dunkelhäutige mit Namen wie Mohammed, ist so eine Veranstaltung eine Seltenheit. Auf den Punkt gebracht: Alles, was dem Bauen von Brücken zwischen Menschen mit verschiedenen Religionen und Ethnien dient ist nicht nur willkommen, sondern dringend notwendig.

Am Ende des Abends, als Torjubel und hitzige Diskussionen über umstrittene Entscheidungen der Schiedsrichter abgeklungen und in freundliches Gemurmel (mit Brötchen, Bratwürsten und Bier) übergegangen waren, machte sich kaum jemand Gedanken über so komplexe Probleme wie Integration. Anstelle dessen war der ganze bunte Haufen – Flüchtlinge, örtliche Sportler, Sozialarbeiter und Rotkreuz-Mitarbeiter, Schiedsrichter und zahlreiche Zuschauer einschließlich des Bürgermeisters zu einer Gemeinschaft geworden.

Ein Zyniker würde jetzt vielleicht sagen, dass es nur ein Spiel war, dass ein Abend der Kameraderie eine ziemlich kurzlebige Form von Gemeinschaft ist. Aber darum geht es nicht. Zu einer Zeit und an einem Ort, wo die Ängste und Animositäten kleiner Minderheiten ausreichen, um ein ganzes Land in Verruf zu bringen, hat der Ort Schöngleina  am letzten Freitag bewiesen, dass es manchmal nicht viel mehr braucht als einen Fußball, um Leute zusammenzubringen und zumindest einer Handvoll der am meisten gefährdeten jungen Männer auf diesem Planeten dauerhafte Erinnerungen an einem wunderschönen Juniabend zu verschaffen.

Alle Teilnehmer des Integrationsfussballturniers von Schöngleina freuen sich am Ende des Turniers gemeinsam

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Über den Autor

Chris and Bea Zimmerman

Chris Zimmerman

Chris Zimmerman und seine Frau Beate leben in Holzland, einer Bruderhof-Hausgemeinschaft in der Nähe von Jena.

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  • Das sind die konkreten Projekte, die wirklich hilfreich sind und wo Menschen sich als genau das erleben, als Menschen. Sehr wertvoll. Ein inspirierende Anregung. DANKE!

    Franke