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Ubuntu!

12. April 2018 von

Mein Mann Daniel und ich sind Teil von Breaking the Cycle, einem Programm zum Training von Konfliktlösung an Schulen, das für Vergebung und Gewaltfreiheit wirbt. Daniel tritt dabei oft als Redner auf. Neulich nahmen wir an einer Friedenskonferenz teil, die ein Londoner Gymnasium für seine Elftklässler veranstaltete. Das Thema der Konferenz war Ubuntu, eine afrikanische Philosophie der Gegenseitigkeit: „Ich bin, weil wir sind.“ Das Ziel war, den Schülern, von denen die meisten afrikanischer Abstammung waren, zu vermitteln, dass sie ein wichtiger Teil ihrer Stadt sind. Als wir gingen, war ich berührt und fühlte mich aufgerufen: Die Botschaft war, dass Gott will, dass wir merken, wie sehr wir einander brauchen.

Der Gastgeber der Veranstaltung gab uns einige Beispiele, um uns zu helfen, das Konzept zu verstehen. Bei Ubuntu geht es darum, Schwestern und Brüder zu sein. Wenn du ein Problem hast, dann ist es das Ubuntu in mir, das mich dazu bringt, dir die Hand zu reichen. Wenn du durch unser Dorf läufst und nichts zu essen hast, dann werden unsere Leute dir Essen geben. Warum? Weil wir auf der grundlegendsten Ebene Brüder und Schwestern sind. Ubuntu : Wir alle gehören zur menschlichen Familie. Wenn einer von uns leidet, dann leiden wir alle.

Der Gastgeber erzählte uns von einem Anthropologen, der ein Dorf in Afrika besucht hatte und die Kinder des Dorfes zu einem Spiel eingeladen hatte. Er stellte einen Korb voll Obst in die Nähe eines Baumes und sagte den Kindern, dass sie ein Wettrennen zu diesem Baum machen sollten – der Gewinner würde das süße Obst bekommen. Als er ihnen das Startsignal gab, nahmen die Kinder einander an den Händen und liefen gemeinsam los. Dann saßen sie in einem Kreis und freuten sich zusammen über ihren Gewinn. Als er sie fragte, warum sie sich entschlossen hatten, als Gruppe zu laufen, sagte ein Kind: „Ubuntu! Wie kann einer von uns glücklich sein, wenn alle anderen traurig sind?“

Das sollte für die meisten von uns keine neue Idee sein. Meine kapitalistische Mentalität war von Jahren im Kern erschüttert worden, als ich zum ersten Mal erkannt hatte, dass Jesu Botschaft ist: „Zuerst dein Nächster.“ Dann kam noch eine Erschütterung, als ich einer Gemeinschaft betrat, wo wir alles miteinander teilen. Trotzdem ist mein Geben und Teilen meistens eher kläglich.

Als die Gymnasiasten gefragt wurden, wie sie mehr Ubuntu in ihr Leben bringen könnten, sprachen sie darüber, ihre Mahlzeiten miteinander zu teilen oder sich um Nachbarskinder zu kümmern. Ich musste darüber nachdenken, wie ich mehr Ubuntu in meine Gemeinschaft bringen könnte. Vielleicht kann ich mich daran erinnern, dass meine Nächsten saubere Toiletten haben, wenn ich sie gereinigt habe? Oder, wenn ich beim Zubereiten unserer Gemeinschaftsmahlzeiten helfe, dass andere zu essen haben. Das ist nichts Glamouröses, sondern schlichte Wir-machen-das-zusammen-Alltagsphilosophie. Aber weil wir es zusammen machen, sind wir nicht einsam, hungrig oder verloren.

Meine kapitalistische Mentalität wurde erschüttert, als ich erkannt, dass Jesu Botschaft ist: „Zuerst dein Nächster.“

Nach der Konferenz liefen mein Mann und ich gemeinsam durch die Straßen im Norden Londons. Wir kamen an einer Brücke vorbei, unter der einige Obdachlose schliefen, und ich dachte an Ubuntu. Ich dachte an Gegenseitigkeit. Ich dachte an die Kinder, die sich an den Händen gehalten hatten und zusammen gelaufen waren, um dann gemeinsam das Obst zu essen. Dies hier war kein Dorf in Afrika. Dies hier war eine westliche Großstadt, wo einige im Überfluss leben, während andere nichts haben – aber jeder versucht so zu tun, als ob er prima zurechtkommt. Oft entgeht uns die Freude am Leben, weil wir Gottes Plan für die Menschheit noch nicht verstanden haben: Wir brauchen einander. Aber die Antwort liegt offen vor uns. Jesus betete: „Mein Vater, Herr über Himmel und Erde! Ich preise dich, dass du die Wahrheit über dein Reich vor den Klugen und Gebildeten verborgen und sie den Unwissenden enthüllt hast.“ (Mt. 11,25) Ubuntu!

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