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Jesusnachfolge

Radikale Nachfolge in unserer Mitte

1. Mai 2017 von

„Herr, zu wem sollen wir gehen?" (Johannes 6:68) 

In dieser herrlichen Osterzeit sind unsere täglichen Bibellesungen zur Messe oft aus der Apostelgeschichte entnommen, diesem inspirierten Buch des Neuen Testaments, geschrieben vom Evangelisten Lukas, das oft das „fünfte Evangelium“ oder das „Evangelium des Heiligen Geistes“ genannt wird.

Es ist wirklich eine stärkende Botschaft, in der es vor allem darum geht, dass Jesus Christus, unser Herr und Erlöser, gekreuzigt und auferstanden, jetzt und hier, in seiner Kirche, lebt und wirkt!

In seinem Meisterwerk beschreibt uns der Heilige Lukas einige der Charakteristiken der Urgemeinde: Obwohl sie in der Welt lebten, merkten die ersten Nachfolger Christi auch, dass sie nicht von ihr waren. Sie wussten, dass sie ihr gemeinschaftliches Beisammensein pflegen mussten, wenn sie den Willen unseres Herrn erfüllen wollten. Sie sahen in den Aposteln und ihren Stellvertretern verlässliche Lehrer des einfachen Glaubens, den Jesus offenbart hatte. Sie versammelten sich häufig, vor allem an Sonntagen, um die Worte der Schrift und die Predigten der Apostel zu hören, um Gott anzubeten und das zu tun, was Jesus am Abend vor seinem Tod getan hatte: die Eucharistie zu feiern. Ihr Glaube an Jesus war stark, ihre Hoffnung auf seine Verheißung war fest und ihre Liebe zu Gott und einander, besonders den Kranken und Bedürftigen, war zärtlich. Sie lebten einfach und hatten alles gemeinsam, so dass sie den Armen helfen und die Kirche unterstützen konnten. Und sie missionierten, indem sie anderen durch Wort und Tat von Jesus berichteten, indem sie andere einluden, einen Herzenswandel zu vollziehen, ihre Sünden zu bereuen, ihren Glauben an Jesus zu bekennen und durch die Taufe in seinen Leib, die Kirche, einzugehen. Die Apostelgeschichte zeigt auch, dass es kein einfacher Weg war! Es gab viel Verfolgung, Missverständnisse, Zurückweisungen und innere Spannungen. Trotzdem wuchs ihre Zahl und die Kirche fing an, sich über Jerusalem hinaus auszubreiten.

In der Osterzeit über die Apostelgeschichte nachzudenken ist eine Gewissensprüfung, um zu sehen, ob wir dem Zeugnis der ersten Generation unserer christlichen Vorläufer treu geblieben sind.

Wenn wir Glück haben, finden wir auch heute gute Vorbilder, die ihr Leben auf dem Evangelium und dem Vorbild der Apostelgeschichte aufbauen.

Hier in unserer Erzdiözese haben wir dieses Glück, denn wir sind mit solch einer bemerkenswerten Gemeinschaft befreundet, dem Bruderhof.

In diesen Ostertagen, wo ihr ehemaliger Ältester, Pastor Johann Christoph Arnold, in die Ewigkeit eingegangen ist, fühlen wir uns ihnen besonders verbunden.

 

Pastor Johann Christoph Arnold (1940-2017)

Der Bruderhof ist eine internationale christliche Gemeinschaft von etwa 3000 Menschen, die in 23 Gemeinschaftssiedlungen in vier Kontinenten leben. Ihr Ziel ist radikale Jesusnachfolge im Geist der ersten Tage der Kirche in Jerusalem.

Nach acht Jahren Freundschaft mit Pastor Arnold, seiner wunderbaren Frau Verena und den hunderten von Mitgliedern, die in Woodcrest bei Rifton leben, kann ich Ihnen versichern, dass sie ein „Licht für die Welt“ sind. Ich schätze sie sehr und habe viel von ihnen gelernt – meine Vorgänger haben dasselbe behauptet. Wie der verstorbene Pater Benedict Groeschel mir einmal zugeflüstert hat: „Das sind bessere Katholiken als ich einer bin!“

Pastor Arnold war besonders mutig in seiner felsenfesten Überzeugung, dass Gottes Wort, so wie es in der Bibel offenbart ist, wahr und verlässlich ist, und dass das Fleisch gewordene Wort, Jesus, „der Weg, die Wahrheit und das Leben“ ist. Er konnte gut ausdrücken, wie Gott in Nöten und bei Rückschlägen gegenwärtig ist, besonders bei dem kürzlichen Verlust seiner Tocher durch Krebs, der angegriffenen Gesundheit seiner lieben Verena und seines eigenen Leidens durch die Krebserkrankung, der er schließlich am Karfreitag erlag.

Seine innere Kraft trat deutlich zutage in seiner Fähigkeit zu vergeben und in seinem Eintreten für Sachen, die von der heutigen Welt als realitätsfremd und rückständig angesehen werden: Ehe als ein ewiger Bund zwischen einem Mann und einer Frau in lebenslanger, treuer und fruchtbarer (Babys!) Liebe.  Sein Einsatz für das Leben von Babys im Mutterleib. Sein Bemühen, die Religionsfreiheit vor Übergriffen von Regierung und Gesellschaft zu verteidigen. In diesen zentralen Angelegenheiten haben wir Schulter an Schulter zusammengearbeitet.

Pastor Arnold strahlte Wärme und Weisheit aus und vermittelte Vertrauen. Ich werde ihn sehr vermissen und ich werde ihn nie vergessen.

Das Gute ist, dass die Gabe der Bruderhöfe vom Heiligen Geist kommt, nicht von einem Menschen, nicht einmal von einem so überragenden Menschen wie Johann Christoph Arnold. Er hat das selbst auch so gesehen, wie aus seiner Rede am Palmsonntag hervorgeht, sechs Tage bevor er starb:

„Die Hauptsache ist, dass Gottes Reich fortschreitet, und wenn irgendeiner von uns die Gelegenheit hatte, dabei eine kleine Rolle zu spielen, dann nicht weil wir groß oder mächtig sind, sondern weil Gott gnädig ist und uns die Möglichkeit geschenkt hat, anderen Liebe zu erweisen. Alles was er im Gegenzug von uns will, ist, dass wir ihn lieben und anbeten, und vor allem, dass wir ihm danken!“

Übrigens, sie brauen auch das beste Bier, stellen die besten Bratwürste her, bauen das köstlichste Gemüse an, züchten die besten Truthähne und backen die besten Kuchen, die der Autor je gekostet hat … und sie wissen, was es bedeutet, Freude am Leben zu haben!

Vor allem aber zeigen sie uns, dass die Kirche der Apostelgeschichte noch sehr lebendig ist!

Cardinal Dolan praying with Christoph Arnold’s widow Verena and son Heinrich

Kardinal Dolan betet mit Christoph Arnolds Witwe Verena und ihrem Sohn Heinrich


Kardinal Timothy M. Dolan ist Erzbischof von New York. (Biografie lesen)

 

Dies ist die Übersetzung eines am 27.4.2017 auf der Website "Catholic New York" erschienenen Artikels.

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