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Ich glaube: Glauben darf man nicht erzwingen

22. November 2018 von

Vor vielen Jahren, als ich noch jung und orientierungslos war, hörte ich eine Predigt von meinem Pastor John Hinde, die mir eine große Hilfe war. Sie bezog sich auf die Worte eines württembergischen Pfarrers, Johann Christoph Blumhardt. Es ging um den Glauben.

Obwohl man sagt, das Zeitalter des Glaubens sei schon lange vorbei und wir angeblich im Zeitalter der Vernunft leben, sind Glaube und Religion weiterhin so mächtig wie eh und je, und zwar sowohl in negativer Weise, als Auslöser von Kriegen und Keimboden von Extremismus, als auch auf positive Weise, wenn Körper und Seelen geheilt werden, Hoffnung wiederhergestellt und Versöhnung zwischen Einzelnen und Gruppen vorangebracht wird.

Aber was ist der Glaube? Religionen, Kirchen und Konfessionen verlangen von ihren Anhängern oft, Glaubenssätze zu wiederholen, um „gerettet“ zu werden. Dies kann uns in eine schlimme Zwangslage von Unaufrichtigkeit und Schuldsuche bringen: Wenn es einen guten Gott gibt, warum würde er uns zwingen, unecht zu sein und mehr zu sagen, als wir glauben?

Ich glaube nicht, dass das mit Glauben gemeint ist. Und Blumhardt stimmt zu. Es ist nicht das, was Gott will. Blumhardt meinte, anstatt uns zu zwingen, Dinge zu wiederholen, an die wir eigentlich nicht glauben, sollten wir an dem festhalten, was wir bereits als wahr kennen. Dann und nur dann, sagt er, werden uns weitere Wahrheiten gezeigt.

Als junger Mensch, der mit dem Glauben rang, war ich erleichtert und begeistert, das zu hören. Wir sind dazu bestimmt, aufrichtig zu sein, auch wenn wir manchmal als grob oder einfach nur schwer verständlich erscheinen. Es lohnt sich nie, unecht und sich selbst untreu zu werden.

Neulich habe ich mir eine Liste von Dingen gemacht, denen ich treu bleiben muss:

Ich glaube daran, anständig zu leben und immer Respekt für andere Menschen zu haben.
Ich glaube daran, meinen Unterhalt ehrlich zu verdienen und nicht Geschäfte zu machen, für die ich mich schämen muss.
Ich glaube daran, nicht über meine Verhältnisse zu leben (um derer willen, die weniger haben, und um einer intakten Umwelt willen).
Ich glaube daran, mich ernsthaft um andere zu kümmern, Mobbing entgegenzutreten und auf die Schwächsten zu achten.
Ich glaube an die Freiheit, nicht so sehr an eine politische Freiheit, sondern an die Freiheit eines bescheidenen Herzens, das bereit ist, Unrecht zuzugeben.
Ich glaube an Gewaltlosigkeit, denn auch „gerechtfertigte“ Gewalt hat sehr widersprüchliche Folgen.
Ich glaube an die Freude, besonders die Art von Freude, die uns überfällt und erfüllt, obwohl wir das gar nicht verdient haben.

two jovial men

Mach weiter; erstelle deine eigene Liste (auch wenn es nur in Gedanken ist), das ist dein Startpunkt.

Wir sind schließlich Menschen, keine Papageien. Lasst uns darauf achten, dass wir andere nicht zwingen, Dinge zu sagen, die sie nicht glauben, sondern sie ermutigen, an dem festzuhalten, was sie wissen, mit einem Glauben, der nur so groß sein muss wie ein Senfkorn. Wenn wir ihnen dann Mut machen, kann dieser Samen sprießen und wachsen.

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Über den Autor

Simon Mercer

Simon Mercer

Simon Mercer ist Tischler, Schweißer und Gärtner. Er lebt auf dem Maple Ridge-Bruderhof.

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  • Finde das hier gute Artikel geschrieben werden und deshalb auch neugierig geworden was es mit dem Bruderhof auf sich hat? Was für eine Gesellschaft oder Grupierung das ist und wie der Alltag aussieht würde mich persönlich mal interesieten. Gruss Robert.

    Robert Michaelis